Der Arzt, dem die Ruderer vertrauen

In der neu aufgelegten Serie „Das Team hinter dem Team“ stellen wir in regelmäßigen Abständen einen Mitarbeiter aus dem Funktions- und Betreuerkreis vor. Heute im achten Teil: Verbandsarzt Dr. Ulrich Kau.

Die Gesundheit ist das höchste Gut, im Leistungssport gilt das umso mehr. Jeder Trainingsausfall ist für einen Sportler ein kleiner Rückschlag. Dass es dazu erst gar nicht kommt und die Ruderer mit voller Power in die Wettkämpfe gehen können, darum kümmert sich die medizinisch-therapeutische Abteilung des Team Deutschland-Achter. Der Kopf dahinter ist bei den Athleten zu einer wahren Institution geworden: Dr. Ulrich Kau steht seit 18 Jahren an der Seite von Deutschlands besten Ruderern.

Kau war mit dem Rudersport schon immer verbunden. Mit zwölf Jahren stieg er erstmals ins Boot. „Allerdings nie so wirklich erfolgreich“, sagt der Hessenmeister, der immer ein Lächeln und einen kessen Spruch auf den Lippen hat, ganz bescheiden. Bei seinem Heimatverein, dem WSV Geisenheim, hinterließ er jedenfalls seine Spuren, als Trainer und bis heute als Vorsitzender. Schon mit 19 Jahren nahm er als Trainer die ersten Sportler unter seine Fittiche, formte unter anderem den Leichtgewichts-Ruderer Bernhard Rühling. Der machte seinen Weg, belegte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney den vierten Platz im Doppelzweier. Kau schlug einen anderen Weg ein und wurde erst Krankenpfleger, dann Mediziner – mit dem Rudersport aber blieb er immer verbunden.

Vertrauen ist die Basis

Nach dem Studium in Marburg und Mainz, wo er promovierte und mittlerweile selbst lehrt, zog es ihn zum Stützpunkt Rhein-Main, bevor er 2002 dem Ruf des Team Deutschland-Achter nach Dortmund folgte. „Ich kann mich noch gut an den Einstieg erinnern. Die Chemie zwischen den Sportlern und mir hat von Anfang an gestimmt, es war direkt eine Vertrauensbasis da. Das war und ist ein entscheidender Faktor“, sagt Kau, der beinahe 24 Stunden am Tag für die Sportler da ist: „Es ist eine Tag- und Nachtbetreuung.“ Über die Jahre sind daraus auch einige Freundschaften entstanden, auf Hochzeiten ist der Doc ein gern gesehener Gast.

Großes Team von acht Ärzten und 16 Therapeuten

Im Jahr 2006 wurde er leitender Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes, auch da legten die Sportler ihr Wort für Kau ein. Seitdem organisiert er viel hinter den Kulissen und hat für einige Impulse gesorgt, zum Beispiel im personellen Bereich: Kau hat ein medizinisch-therapeutisches Team auf die Beine gestellt, das allen Anforderungen des Rudersports gerecht wird. Acht Ärzte und 16 Therapeuten stehen den Sportlern zur Verfügung, viele von ihnen decken andere Spezialgebiete ab. „Wir wollen die Stärken jedes einzelnen optimal nutzen. Deswegen herrscht ein reger Austausch untereinander. Wir sind ein Team“, sagt Kau, der ebenso auf ständige Fortbildungen setzt: „Wir wollen immer neue Dinge ausprobieren.“

Prävention ist ein wichtiger Baustein

Auch in Sachen Prävention hat Kau neue Maßstäbe gesetzt. „Die Diagnostik und die heilenden Maßnahmen sind das eine, die präventiven das andere. Vorbeugung ist unheimlich wichtig, damit es gar nicht erst zu Ausfällen kommt“, erklärt der zweifache Familienvater: „Deswegen sollen sich die Ruderer zum Beispiel nach dem Sport ausruhen und große Menschenmengen meiden. Denn hier kann man sich besonders im Winter schnell einen Infekt einfangen. Außerdem ist regelmäßiges Rückentraining wichtig, um einem der häufigsten Probleme vorzubeugen.“

Heikle Situation bei der WM 2011

Über die Jahre hatten Kau und sein Team viele heikle Situationen zu überstehen, am Ende haben sie es immer gemeistert. „Da gab es schon einige Dinge wie zum Beispiel die Noroviren bei der WM 2011 in Bled“, erinnert sich Kau: „Mit guter Teamarbeit haben wir es aber immer hinbekommen, die Sportler mit der höchstmöglichen Leistungsfähigkeit in den Wettbewerb zu schicken.“

Bei den Regatten rund um die Welt ist Kau meistens dabei. Auch in seiner Praxis in Oestrich-Winkel sind häufig Ruderer zu Besuch. Außerdem kommt er alle paar Wochen zum Stützpunkt nach Dortmund, wo ansonsten Dr. Philip Hitzler Ansprechpartner ist. „Ich bin fast immer unterwegs, denn ich muss ja alle Bereiche eng versorgen“, sagt der Rheingauer, der trotzdem immer für alle da ist: „Das versuche ich zumindest, auch wenn das manchmal das Privatleben etwas einschränkt. Aber ich mache genug Sport zum Ausgleich und die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich bekomme unheimlich viel zurück und kann mir keinen besseren Job vorstellen.“

Richard Schmidt: „Wir lieben ihn alle“

Die Ruderer vom Team Deutschland-Achter haben das Engagement von Kau im vergangenen Jahr gewürdigt. Nach Klaus Walkenhorst, dem langjährigen Leiter des Ruderleistungszentrums, war der Verbandsarzt der zweite aus dem Team hinter dem Team, der sich über eine besondere Auszeichnung freuen durfte: Er bekam das Privileg, den Deutschland-Achter-Blazer tragen zu dürfen. Wie hoch die Wertschätzung ist, drücken am besten die letzten Worte der Laudatio von Achter-Weltmeister und Olympiasieger Richard Schmidt aus: „Wir lieben ihn alle und sind stolz, ihn bei uns zu haben.“

03.05.2020 | von Felix Kannengießer

Der Kopf hinter dem medizinisch-therapeutischen Team: Dr. Uli Kau.

Im vergangenen Jahr erhielt Uli Kau eine besondere Auchzeichnung vom Team Deutschland-Achter.

Uli Kau hat schon viel erlebt mit dem Team Deutschland-Achter. Zu den Ruderern hat er eine besondere Verbindung. Hier ist er bei der Goldfeier nach dem Sieg bei Olympia 2012 zu sehen.

Spitzname „magic“

Dr. Ulrich Kau ist am 31. Dezember 1963 in Rüdesheim am Rhein geboren. Die Sportler nennen ihn einfach nur Uli, der eine oder andere auch „Magic“. Dieser Spitzname stammt aus den 80er-Jahren, als der Basketballer Earvin „Magic“ Johnson von sich Reden machte. Weil Kau mit seiner Größe von 1,90 m damals gerne Dunkings hinlegte, gaben ihm seine Freunde den Spitznamen, der sich bis heute gehalten hat, mittlerweile aber mehr auf die medizinischen Fähigkeiten als die am Basketball-Korb bezogen ist. Sein Know-how ist in Sportdeutschland gefragt, seit 2010 ist er auch beim Deutschen Boxsportverband tätig.

Termine

9.-11.10.2020: Europameisterschaften in Posen/Polen

16-18.10.2020: SH Netz Cup in Rendsburg

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