Ein Mann für alle Fälle

In der neu aufgelegten Serie „Das Team hinter dem Team“ stellen wir in regelmäßigen Abständen einen Mitarbeiter aus dem Funktions- und Betreuerkreis vor. Heute im sechsten Teil: Bootsmeister Markus Schmitz.

Der Morgen vor dem Wettkampf: Eines der Boote des Team Deutschland-Achter hat sich im letzten Training durch einen schwimmenden Ast die Flosse angefahren. Doch bei den Sportlern kommt keine Hektik auf. Sie wissen, dass sie sich auf ihren Bootsmeister verlassen können – Markus Schmitz hat bis jetzt noch jedes Boot rechtzeitig fertig bekommen. Beim Werkeln ist er voll in seinem Element, Grenzen kennt er dabei nicht. „Ich mag Herausforderungen und habe da keine Angst vor. Handwerkliche Arbeiten machen mir einfach Spaß“, sagt Schmitz, dem das Motto Do-it-yourself auf den Leib geschneidert scheint. Doch sein Aufgabengebiet geht weit über die Reparatur von Booten hinaus.

Schmitz wirkt seit 2006 als Bootsmeister beim Team Deutschland-Achter. Nach seiner Ausbildung als Bootsbauer in Krefeld und dem Dienst bei der Bundeswehr war er zunächst bei der Hellwig Bootsmanufaktur angestellt, damals einem der größten Sportboot-Hersteller Deutschlands. Gerade als er sich beruflich verändern wollte, schrieb der Deutsche Ruderverband die Stelle aus. Schmitz bewarb sich und fand gewissermaßen seine Berufung.

„Eigentlich hatte ich mit Rudern bis dahin nie etwas zu tun. Die Faszination hat mich aber schnell gepackt, heute fiebere ich immer mit. Die Arbeit mit den Sportlern ist etwas ganz anderes als vorher und macht mir viel Spaß“, berichtet der 44-Jährige, für den der Titelgewinn bei Olympia 2012 in London das bisherige Highlight war: „Selbst Rudern kann ich allerdings immer noch nicht. Dafür bleibt keine Zeit.“ Denn das Aufgabengebiet des Bootsmeisters ist groß.

Herr über 60 Boote

Am Stützpunkt in Dortmund ist Schmitz Herr über insgesamt rund 60 Boote, kümmert sich um die Instandhaltung und Reparaturen. Die häufigste Reparatur ist das Stopfen von Löchern. Schmitz arbeitet die beschädigte Stelle mit Kohlefaser, Glasfaser und Epoxidharz auf, laminiert und überspachtelt sie. Zum Schluss wird noch einmal lackiert, und dann ist Boot schon wieder einsatzbereit. Die Lackierung und die Politur sind ohnehin so ein Thema, eine Kunst für sich. „Das ist nicht nur Optik, jede Unebenheit erhöht den Widerstand“, sagt Schmitz.

Schmitz ist auch Logistiker

Auch Einstellarbeiten an den Booten gehören mit zu seinem Aufgabengebiet. In enger Absprache mit den Sportlern und Trainern sorgt Schmitz dafür, dass die Rollsitze passend ausgerichtet sind, keine Kanten stören und die Winkel passen. Individuelle Anpassungen und Ideen der Trainer setzt er ebenso um. „Für alles, was das Boot betrifft, bin ich der Ansprechpartner. Ich sorge dafür, dass sich die Sportler im Boot wohl fühlen“, sagt er. Außerdem nimmt Schmitz bei der Planung und Ausführung der Trainingslager des Deutschen Ruderverbandes als Bootsmeister eine wichtige Funktion ein. Schmitz plant die Logistik: den Transfer der Boote, die Routen und bei Regatten in Übersee den Schiffstransport.

Eine halbe Million Euro auf dem Anhänger

Am Ende sitzt der 44-Jährige auch immer selbst hinter dem Steuer, wenn die Boote zum Trainingslager oder an die Regattaorte gefahren werden. Das ist eine ganz schöne Verantwortung. Und mit dem 18 m langen, 2,50 m breiten und vier Meter hohen Gespann wird es sogar auf komfortablen Wegen eng. „Da musst du vorher ganz genau planen, wo du lang fährst. Bis jetzt ist zum Glück immer alles gut verlaufen“, verrät Schmitz.

Kleine Kniffe bei der Bootsentwicklung

Boote bauen, wie er es damals in der Ausbildung gelernt hat, kann er beim Team Deutschland-Achter nicht mehr. „Das vermisse ich schon ein bisschen, aber die Vorteile hier überwiegen. Und ich kann in gewissem Maße ja auch an der Bootsentwicklung teilhaben. Das ist ein ständiger Prozess, was die Abstimmung mit der Werft angeht“, sagt Schmitz. Gebaut werden die Boote des Team Deutschland-Achter von der Empacher-Werft in Eberbach am Neckar, die viele Nationen beliefert, unter anderem die Briten und Holländer. Von der äußeren Form sind die Sportgeräte alle gleich, beim inneren Aufbau kann der Bootsmeister ein Wort mitreden.

Leidenschaftlicher Windsurfer und Segler

Markus Schmitz ist unter der Woche fast täglich am Stützpunkt in Dortmund und an den Wochenenden oft bei Wettkämpfen. Auch in seiner Freizeit ist er gerne am Wasser, mit Rudern hat der BVB-Fan dann aber nichts am Hut. Seit seinem 14. Lebensjahr ist der Ibbenbürener leidenschaftlicher Windsurfer. Am liebsten zieht es ihn ans Ijsselmeer in Holland, wo sich der zweifache Familienvater gerne mit dem Wohnwagen aufhält. Früher erkundete er auch auf dem Katamaran die Meere. Dafür bleibt aktuell aber keine Zeit, denn Schmitz hat sich mit seiner Familie in Dortmund im vergangenen Jahr ein Haus gekauft. „Das ist mein neues Hobby. Da ist immer etwas zu tun“, sagt er. Dann ist der Bootsmeister auch wieder voll in seinem Element.

03.04.2020 | von Felix Kannengießer

Bootsmeister Markus Schmitz.

Markus Schmitz hilft auch dabei, die Boote einzustellen, hier mit Hannes Ocik.

Bei der Entwicklung der Boote durch Empacher kann Schmitz seinen Input geben.

Mit den Sportlern, hier Richard Schmidt, steht Schmitz in engem Kontakt.

Termine

SH Netz Cup in Rendsburg:
Freitag (16.10.2020):
Ergo-Cup um 18.45 Uhr, Bühne Kreishafen
Samstag (17.10.2020):
Sprint Cup um 17 Uhr, Kreishafen
Sonntag (18.10.2020):
12,7-Kilometer-Langstrecke um 14.30 Uhr, Breiholz-Rendsburg (Livestream: www.shz.de)

03.-19.11.2020:
Trainingslager in Lago Azul (Portugal)
02-18.12.2020:
Trainingslager in Avis (Portugal)

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