Kraft-Training auf einem anderen Level

In der neu aufgelegten Serie „Das Team hinter dem Team“ stellen wir alle zwei Wochen einen Mitarbeiter aus dem Funktions- und Betreuerkreis vor. Heute im zweiten Teil: Athletik-Trainer Björn Schinke.

Einheiten im Kraftraum sind beim Rudern ein elementarer Teil des Trainings. Doch mit einfachem Pumpen ist es nicht getan, die Athletik ist eine Wissenschaft für sich. Damit bei den Sportlern die Bewegungsabläufe optimal sitzen und sie alles aus sich herausholen können, dafür ist Athletik-Trainer Björn Schinke beim Team Deutschland-Achter zuständig. Der Diplom-Sportwissenschaftler hat das Krafttraining am Stützpunkt in Dortmund – in enger Abstimmung mit dem Trainerteam um Uwe Bender – auf ein neues Level gebracht „Ein Boot schneller zu machen, ist die Summe vieler kleiner Details. Das ist eines davon“, sagt er.

Schinke ist seit April 2018 Teil des Betreuerkreises des Team Deutschland-Achter. Am Stützpunkt Dortmund musste er sich nicht lange eingewöhnen, denn der 39-Jährige ist quasi im Ruderboot groß geworden. Lange Jahre strebte er selbst eine Laufbahn als Ruderer an, war talentiert und holte 1998 Bronze im leichten Zweier ohne Steuermann bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Irgendwann entschied er sich jedoch für einen anderen Weg, intensivierte sein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln und beschränkte den Sport auf die Ruder-Bundesliga. Heute profitiert er von beiden Laufbahnen.

Über 1200 Stunden Personal Training pro Jahr

„Vertrauen ist die Basis. Die Ruderer hier am Stützpunkt spüren, dass ich vom Fach komme. Ich war schnell integriert“, sagt Schinke, der auf viel Erfahrung zurückgreifen kann. Schon während des Diploms im Bereich Ökonomie und Management machte er eine Zusatzausbildung und begann, als Personal Trainer zu arbeiten. Mittlerweile ist er Geschäftsführer des STRONGMOVE Athletic Clubs, den er vor fünf Jahren selbst gegründet hat. Nicht erst seitdem ist er ein gefragter Mann. Über 1200 Stunden Personal Training gibt er pro Jahr. Das sprach sich auch in Ruderkreisen herum: Über Sabine Tschäge vom Crefelder Ruder-Club, DRV-Sportdirektor Mario Woldt und Bundestrainer Uwe Bender kehrte Schinke schließlich wieder zu seinen Wurzeln zurück. Dadurch gedeiht seitdem im Ruder-Leistungszentrum Dortmund der Athletikbereich.

Entscheidend ist die Geschwindigkeit

Beim Team Deutschland-Achter am Stützpunkt in Dortmund schlägt der gebürtige Velberter mindestens einmal im Monat seine Zelte im Kraftraum auf. Dann begleitet er die Athleten mehrere Stunden lang beim Training. „Ich arbeite mit der großen Gruppe, aber auch mit jedem Sportler einzeln ganz detailliert. Das ist wichtig, denn jeder ist anders“, sagt Schinke. Der A-Lizenz-Coach für olympisches Gewichtheben arbeitet mit Kadenzen, also der Geschwindigkeit, mit der die Übungen ausgeführt werden. Bei jeder Trainingsübung ist daher genau definiert, wie schnell das Gewicht hochgezogen, gehalten und heruntergelassen wird.

„Hochdynamische, explosive Bewegungen“

„Dabei wird auch die Koordination geschult, denn die Athleten müssen die Übungen mit unterschiedlichen Lasten selbst wahrnehmen und kontrollieren lernen“, sagt Schinke, der dafür sorgt, dass die Abläufe sitzen und die Übungen richtig ausgeführt werden. Er spricht mit den Athleten, macht alles selbst vor und korrigiert im Bedarfsfall bei den Ruderern anschließend. „Ich will hochdynamische, explosive Bewegungen sehen. Es geht darum, die individuelle Bewegungsqualität zu verbessern und Kraft spezifisch für den Rudersport zu trainieren. Es gibt keine andere Sportart, die eine derart hohe Kraftkomponente im Ausdauerbereich erfordert. Ebenso ist die Prävention vor Verletzungen in Form von aktivem Mobilitätstraining ein wichtiger, leistungsbestimmender Faktor“, sagt er.

Analyse mit digitalem Helfer

In seinen eineinhalb Jahren beim Team Deutschland-Achter hat er in Dortmund einige Innovationen etabliert: praktische Dinge, wie die Kniebeugen aus voller Tiefe zu bringen, aber auch theoretische wie die Verwendung von Videoanalysen. Denn nach den Übungen wird gemeinsam auf die Durchführung geschaut. Durch die Verwendung des VmaxPro, einem kleinen digitalen Sensor, der an der Hantel befestigt wird, kann die Analyse sogar bis ins kleinste Detail erfolgen. Dabei wird die Ortskurve der Hantel sowie die Hantelbeschleunigung, sprich der Power-Output eines jeden Athleten, in Zahlen und Kurven ausgegeben. Gleichzeitig läuft eine Videoaufnahme ab, so dass der Sportler Daten und Bilder abgleichen kann.

„Die Videoanalyse hat einen wichtigen Lerneffekt. Ich will das Gesamtgefüge des Athleten aufbohren, um ihn noch leistungsfähiger zu machen. Die Kraft soll sich voll entfalten können“, sagt Schinke, der mit den Ruderern noch viel vor hat: „Das Potential ist hier riesengroß. Ich bin ein Strategie-Fanatiker und habe noch einige Ideen.“ Das letzte Level ist noch lange nicht erreicht.

08.12.2019 | von Felix Kannengießer

Bei den Übungen kontrolliert und optimiert Björn Schinke die Abläufe.

Die Abläufe macht Schinke auch selbst vor. 

Nachher steht eine gemeinsame Video- und Datenanalyse auf dem Programm.

Fotos: Felix Kannengießer

Rudern ist seine Leidenschaft

Früher saß er selbst im Ruderboot, heute leitet er die Sportler beim Krafttraining an. Den Seitenwechsel hat Björn Schinke erfolgreich hinter sich gebracht. „Ich sehne mich nicht mehr nach der Zeit als Athlet zurück. Dafür hätte ich heute keine Zeit mehr. Aber das Rudern bleibt immer eine Leidenschaft von mir“, sagt der 39-Jährige: „Ich genieße es, jetzt auf der anderen Seite zu stehen. Gewinnen ist immer geil – egal ob als Athlet oder Trainer. Ich liebe diesen Sport und fiebere auch von außen mit, als wenn ich selbst im Boot sitzen würde.“

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Termine

26.01. – 02.02.2020: Trainingslager mit Überprüfungen im Zweier und Vierer in Montemor-o-Velho/Portugal

03.-13.02.2020: Trainingslager in Lago Azul/Portugal 

01.-16.03.2020: Trainingslager in Gavirate/Italien

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