„Es darf keinen Rückzieher geben“

Richard Schmidt war als Mitglied der WADA-Athletenkommission nah dran am historischen Doping-Urteil gegen Russland. Im Interview verrät er seine Sicht der Dinge.

Mit einem historischen Urteil hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Russland für vier Jahre vom Weltsport verbannt. Hintergrund sind die manipulierten Dopingdaten der Moskauer Behörden, die durch einen Whistleblower bereits im Jahr 2017 ans Licht kamen. Olympiasieger und Weltmeister Richard Schmidt aus dem Deutschland-Achter war an dem Fall als Mitglied der WADA-Athletenkommission ganz nah dran. Im Interview erzählt der 32-Jährige, was er ganz persönlich von dem Urteil hält, welche Wirkung er sich erhofft und was er sich im Kampf gegen Doping wünscht.

Was hältst du von dem Urteil?

Richard Schmidt: Ich persönlich finde es gut, wie es gekommen ist. Es war überfällig. Viele haben sich noch mehr gewünscht, etwa eine komplette Sperre der Athleten. Aber man muss es auch so sehen: Das ist die schärfste Strafe, die je verhängt wurde. Sie musste kommen, und ich finde sie richtig. Jetzt darf es nur keinen Rückzieher geben.

Inwieweit warst du selbst in das Urteil involviert?

Richard Schmidt: Die WADA-Athletenkommission, in der ich Mitglied bin, hat ein Statement dazu abgegeben und wurde angehört. Wir haben dafür plädiert, den kompletten Kader der russischen Athleten zu sperren. Es war klar, dass manipuliert und gedopt wurde. Deswegen mussten harte Konsequenzen folgen.

Wie findest du, dass russische Athleten unter bestimmten Voraussetzungen unter neutraler Flagge starten dürfen?

Richard Schmidt: Das war ja auch schon bei den Olympischen Spielen 2016 so. Ich finde die Idee nicht schlecht, wenn jemand wirklich seine Unschuld beweisen kann. So stehen nicht alle pauschal unter Verdacht. Das Problem ist, dass es unheimlich schwierig ist, das alles herauszufinden. Und es ist eben auch nicht die maximale Sanktionierung.

Wie fühlst du dich selbst als Sportler bezüglich des ganzen Falles?

Richard Schmidt: Wir sind ja mit dem Deutschland-Achter 2016 selbst gegen die Russen gefahren. Ich konnte es erst nicht so wirklich glauben, aber die Beweise sprechen für sich. Es ist nicht schön, auch nicht, dass man sich mit so etwas überhaupt auseinandersetzen muss. Doping hat nichts mit dem zu tun, was ich unter Sport verstehe. Wir wollen fairen Sport. Das russische Staatsdoping hat das untergraben.

Was erhoffst du dir von den Russen für eine Reaktion?

Richard Schmidt: Es wäre am besten, wenn sie es jetzt einfach zugeben würden. Dann können sie neu starten, ein neues Anti Doping System aufbauen. Am besten eines, das der WADA entspricht.

Welche Wirkung hat das Urteil auf die gesamte Sportwelt?

Richard Schmidt: Es zeigt, dass man handeln kann. Ich hoffe, dass es andere Staaten vor Doping abschreckt, weil nun mit den Sanktionierungen hart durchgegriffen wurde. Man sieht aber auch, dass das Verfahren extrem langwierig ist. Ich bin froh, dass jetzt alles so gekommen ist, doch ich würde mir wünschen, dass Urteile früher und schneller gefällt werden könnten.

Was würdest du dir noch im Kampf gegen Doping wünschen?

Richard Schmidt: Die Regeln der WADA sind an sich streng und gut. Ich würde mir wünschen, dass sie noch allgemeingültiger sind und überall gleich kontrolliert werden. Jede Nation braucht die gleichen Spielregeln im Kampf gegen Doping. Das ist leider nicht immer der Fall. Ich finde, der Kampf gegen Doping müsste auch von den Regierungen überall auf der Welt mehr unterstützt werden, auch finanziell. Alle sollten gemeinsam dahinterstehen und sich für fairen Sport einsetzen.

10.12.2019 | Interview: Felix Kannengießer

Richard Schmidt im Deutschland-Achter bei der WM 2019. wo für das deutsche Flaggschiff wieder Gold heraussprang.

Auch außerhalb des Bootes ist er sehr engagiert…

…und kämpft für einen sauberen Sport.

Termine

05.-07.06.2020: Europameisterschaften in Posen/Polen

10.-26.06.2020: Trainingslager in Völkermarkt/Österreich

 

01.-18.07.2020: Trainingslager in Kinosaki/Japan

24.-31.07.2020: Ruder-Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen in Tokio

28.-30.08.2020: SH Netz Cup in Rendsburg

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