In Tim Schönbergs Brust schlagen drei Herzen

Der Vierer-Bundestrainer des Team Deutschland-Achter hat drei Bezugspunkte: Dortmund für den Sport, Hamburg für die Familie und Finnland für das Heimatglück.

In Tim Schönbergs Brust schlagen gleich drei Herzen. Eines für das Team Deutschland-Achter, für das er als Trainer vor über zwei Jahren nach Dortmund gezogen ist. Das zweite schlägt für seine Heimatstadt Hamburg und seine Familie, die nach wie vor dort lebt. Schönberg pendelt einmal pro Woche in den Norden. Und als drittes hat er auch Finnland in sein Herz geschlossen, das Heimatland seiner Mutter, zu dem er eine ganz besondere Verbindung hat.

Finnland ist für den Bundestrainer eine zweite Heimat. „Ich habe einen starken Bezug zu Finnland“, sagt Schönberg, der auch fließend finnisch spricht. Als Jugendlicher war er die kompletten Ferien im Heimatland seiner Mutter. Heute ist dafür nicht mehr die Zeit, stattdessen verbringen seine beiden Töchter mit der Großmutter regelmäßig die Sommerferien in Finnland. Schönberg selbst versucht mindestens einmal im Jahr dort zu sein und die Natur zu genießen. Der 45-Jährige hat viele schöne Erinnerungen an das Land der tausend Seen, auch sportliche.

Junioren-WM-Bronze im Einer 1992

Schönberg ist in Hamburg geboren („Ich bin ein Hamburger Junge“), machte seine ersten Erfahrungen im Ruderboot beim „Hamburger und Germania RC von 1836“. Schnell ruderte er dort vorne mit und empfahl sich dank der doppelten Staatsbürgerschaft Anfang der 90er-Jahre zunächst für die finnische Nationalmannschaft. Mit durchschlagendem Erfolg: Bei der Junioren-WM 1992 holte er Bronze im Einer. Nach dem Abitur 1994 zog es ihn dann für ein Jahr ganz nach Finnland.

Das Studium, Sport und Biologie auf Lehramt, brachte Schönberg wieder zurück nach Deutschland. Das neue sportliche Ziel hieß Olympia 2000 in Sydney, diesmal unter deutscher Flagge. Seinen ersten Einsatz im deutschen Einteiler hatte er 1996 im leichten Doppelzweier. Am Ende packte er die Qualifikation knapp nicht, doch das öffnete eine neue Tür. „Als klar war, dass ich die Qualifikation für Olympia in Sydney nicht schaffe, habe ich als Leistungssportler aufgehört. Beim RC Allemannia Hamburg hatten sie gerade einen Junioren-Trainer gesucht, also habe ich die Chance genutzt, dabei zu bleiben“, erzählt Schönberg.

Trainer, Sportlicher Leiter, dann Bundestrainer

Der Kontakt zur Allemannia kam zur Jahrtausendwende durch seinen alten Trainer Marcus Schwarzrock zustande, der ihn in das Traineramt einführte. Fünf Jahre später übernahm Schönberg die sportliche Leitung von seinem Mentor beim RCA. „Das war schon ein großer Schritt für mich. Ich konnte mich unter Marcus Schwarzrock gut weiterentwickeln, aber in diese Aufgabe musste ich langsam hineinwachsen“, erinnert sich Schönberg, der auch diese Herausforderung meisterte. Der nächste Karriereschritt folgte schon bald.

Im Jahr 2013 wurde Schönberg U23-Bundestrainer am Stützpunkt in Hamburg. Mit Peter Thiede, seinem heutigen Trainerkollegen im Team Deutschland-Achter, und Bernd Landvoigt entwickelte er die Talente weiter und konnte mit dem U23-Achter 2015 Gold bei der U23-WM in Plowdiw in Bulgarien feiern – übrigens unter anderem mit den heutigen Achter-Weltmeistern Laurits Follert und Torben Johannesen. „Das war das gesetzte Ziel und eine tolle Erfahrung. Das war ein Riesen-Ding, dass wir das geschafft haben“, so Schönberg, der seinen Ehrgeiz als Trainer nicht verloren hat: „Das hast du als ehemaliger Leistungssportler einfach drin.“

„Arbeit in Dortmund auf einem extrem hohen Level“

Anschließend verbrachte Schönberg als Bundestrainer zwei Jahre im Leichtgewichts-Bereich, wo er unter anderem den Vierer für Olympia nachqualifizierte, bevor 2018 der Ruf aus Dortmund vom Team Deutschland-Achter kam. „Dieser Schritt hat gut gepasst und ich bin froh, ihn gegangen zu sein. Die Arbeit hier in Dortmund ist auf einem extrem hohen Level. Es ist sehr professionell, und dazu kommt die menschliche Komponente, die einzelnen Leute, das ist ein sympathisches, eingespieltes Team“, lobt Schönberg.

Wöchentliches Pendeln

Der Schritt nach Dortmund im Februar 2018 war für ihn persönlich nicht ganz einfach, denn seine Frau und seine beiden Töchter sind in Hamburg geblieben. Immer sonntags nach der letzten Trainingseinheit geht es für ihn in Richtung Heimat und am Dienstag in aller Frühe wieder zurück. „Das ist natürlich anstrengend, aber für meine Familie und das Team Deutschland-Achter nehme ich das gerne auf mich. Ich fühle mich wohl in meiner Lebenssituation und das wichtigste ist: Auch meine Familie kommt damit klar. Wir haben gelernt, unsere gemeinsame Zeit sinnvoller und intensiver zu nutzen“, sagt Schönberg.

So kann er auch alle seine Herzensangelegenheiten unter einen Hut bringen. In den Ferien in Finnland, von Sonntag bis Dienstag in Hamburg und in der restlichen Zeit in Dortmund. Dort kann sich der Trainer, der beim Team Deutschland-Achter für den Vierer ohne Steuermann zuständig ist, dann ganz auf die Arbeit mit den Ruderern konzentrieren. Und da hat er ein klares Ziel vor Augen: „Die Nach-Qualifikation des Vierers für Olympia 2021.“

07.05.2020 | von Felix Kannengießer

Bundestrainer Tim Schönberg hat alles im Blick.

Im Team Deutschland-Achter ist Tim Schönberg für den Vierer ohne Steuermann zuständig.

Früher war Tim Schönberg selbst Ruderer, heute versucht er sich als Triathlet.

Vom Ruderer zum Ironman

Nachdem Tim Schönberg 2000 das Leistungsrudern aufgab, stieg er drei Jahre lang noch bei Studenten-Rennen für die Uni Hamburg ins Boot. Danach hat er 2004 einen ganz anderen Sport für sich entdeckt: den Triathlon. Einen halben Ironman hat er im vergangen Jahr aufgrund einer Wette mit Ruderer Hannes Ocik schon absolviert. Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, einen ganzen Ironman hinter sich zu bringen. „Dafür trainiere ich jeden Tag, 14 Stunden die Woche, streng nach Plan“, berichtet Schönberg. Für die wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Veranstaltungen hat er eine Alternative gefunden: Auf dem Laufband und dem Rad-Ergometer nimmt er momentan an Online-Wettbewerben teil.

Termine

9.-11.10.2020: Europameisterschaften in Posen/Polen

16-18.10.2020: SH Netz Cup in Rendsburg

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