Medaillengewinner im Doppel-Interview
Paul Klapperich aus dem Deutschland-Achter und Mark Hinrichs aus dem Vierer ohne Steuermann geben Auskunft nach der EMDas Team Deutschland-Achter befindet sich im finalen WM-Trainingslager. Mit den Erkenntnissen der EM wird in Ratzeburg noch einmal an den letzten Stellschrauben gedreht, bevor der Saisonhöhepunkt ab dem 24. August in Amsterdam steigt. Im Doppel-Interview aus dem Trainingslager haben ein EM-Medaillengewinner aus dem Deutschland-Achter und einer aus dem Vierer ohne Steuermann einen Einblick gegeben: Paul Klapperich und Mark Hinrichs verraten, wie sich die Medaille mit ein paar Tagen Abstand anfühlt, was nun im Fokus steht und was den beiden richtig Lust auf die WM macht.
Die Europameisterschaften liegen inzwischen ein paar Tage zurück. Mit etwas Abstand: Was nehmt ihr persönlich aus Varese mit?
Paul Klapperich: Wir sind im Achter auf dem richtigen Weg, auch wenn wir nicht ganz so zufrieden mit dem Rennen waren. Wir wären gerne vor Rumänien gewesen, trotzdem war es ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen jetzt weiterarbeiten und an ein, zwei Schrauben drehen. Wir hoffen, dadurch noch weiter an Tempo zu gewinnen.
Mark Hinrichs: Die WM ist das oberste Ziel. Varese war für uns im Vierer nur ein Zwischenschritt, aber ein guter. Wir haben gemerkt, dass wir die Fortschritte, die wir im Training gemacht haben, auch im Wettkampf umsetzen können. Das gibt uns nochmal zusätzlich Motivation, dass wir dranbleiben und noch ein Stückchen mehr machen, damit wir bei der WM angreifen können.
Verändert eine EM-Medaille die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Mark Hinrichs: Ich denke schon. Natürlich hat man als Sportler schon ein gewisses Selbstvertrauen, aber die Medaille gibt uns noch einmal Sicherheit, dass es auch wirklich funktioniert und wir im internationalen Wettbewerb mithalten können. Außerdem ist es für mich die erste internationale Medaille im A-Bereich und damit auch was Besonderes. Für uns im Vierer war’s auch eine sehr wichtige Standortbestimmung, die wir gut meistern konnten. Wir haben gesehen: Wir haben die Werkzeuge, um ins A-Finale zu rudern.
Paul Klapperich: Bei uns hielt sich die Euphorie in Grenzen. Wir wissen, dass bei der WM mit Großbritannien und den Niederlanden noch zwei Hochkaräter hinzukommen, die bislang vor Rumänien lagen. Von daher sind wir auf dem Papier nur Vierter und es kommen noch die Nationen aus Übersee hinzu. Die Medaille ist schön, aber wir wollen sie rational einordnen und weiter daran arbeiten, noch weiter nach vorne zu kommen.
Wo habt ihr in den vergangenen Wochen den größten Entwicklungsschritt gemacht?
Paul Klapperich: Wenn wir es jetzt am Rennen bei der EM festmachen: Da waren die ersten 1.000 Meter ein Brett, richtig gut. Für uns gilt es, das weiter zu ökonomisieren und den Speed auch auf den dritten 500 Metern mitzunehmen.
Mark Hinrichs: Im Vierer haben wir technisch versucht, die Sachen simpel zu halten und uns auf wenige wichtige Punkte zu konzentrieren, weil wir mit René und Jasper zwei Leute an Bord haben, die sehr feinfühlig rudern können. Das war ein wichtiger Schritt für uns. Wir haben so ein gemeinsames Gefühl entwickelt für die Punkte, die uns nach vorne bringen. Auch die Änderung der Sitzreihenfolge hat nochmal was gebracht. So holen wir das Maximale aus unserer Formation raus.
Ihr seid im letzten Trainingslager vor der WM. Worauf legt ihr dort den größten Fokus?
Mark Hinrichs: Von den Trainingsinhalten machen wir jetzt nicht mehr so riesige Umfänge, auch wenn wir natürlich die Intensität drin behalten. Es werden auch noch ein paar Rennen gegen andere Boote im Trainingslager kommen, damit wir das Wettkampfgefühl beibehalten. Am Ende werden wir das Rad hier aber nicht neu erfinden. Wir befinden uns in einem Zyklus, der nach der WM endet. Das sind jetzt die letzten Schritte. Wir wollen weiter unseren Fokus beibehalten. In den ersten Tagen im Trainingslager hat das sehr gut funktioniert.
Paul Klapperich: Für uns liegt der größte Fokus jetzt auf den hochintensiven Einheiten. Es sind noch zwei Wochen, bis wir gezielt anfangen, das Training vor der WM zu reduzieren. Bis dahin wollen wir diese hochintensiven Schlüsseleinheiten mit hoher Qualität und Hingabe absolvieren.
Was macht dir persönlich aktuell am meisten Lust auf die Weltmeisterschaften?
Mark Hinrichs: Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen, weil ich weiß, dass viele von meiner Familie dort sein werden. Das war schon in Varese so, das ist super schön. Auch die EM hat natürlich Rückenwind gegeben. Am wichtigsten ist aber für mich das Gefühl, dass wir als Mannschaft die gleiche Idee vom Rudern haben und gemeinsam nach vorne kommen wollen. Das macht einfach Spaß, wenn alle den gleichen Fokus haben, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen – das macht mir richtig Bock auf die WM.
Paul Klapperich: Mich reizt es, dass wir uns als Team beweisen und unser volles Potenzial ausschöpfen können. Überhaupt mag ich es, mit dem Team gemeinsam etwas zu entwickeln, an einer Aufgabe zu arbeiten und dafür zusammenzurücken.
09.08.2026 | Interview: Felix Kannengießer
Paul Klapperich und Mark Hinrichs konnten sich bei der EM über eine Medaille freuen.
Fotos: Detlev Seyb und Maren Derlien
Termine
Saison 2025/2026:
04.-15.08.2026: Trainingslager in Ratzeburg
24.-30.08.2026: Weltmeisterschaften in Amsterdam (Niederlande)
04.-06.09.2026: SH Netz Cup in Rendsburg
Unser weiterer Weg nach LA2028:
Weltmeisterschaften 2027 in Luzern (Schweiz)
Olympische Spiele 2028 in Los Angeles (USA, 14.-30. Juli 2028)
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