Heimwerker und Mentor

In der Serie „Mehr als Rudern“ blicken wir einmal über den Bootsrand hinaus. Im vierten Teil haben wir bei Nico Merget nachgehört, was ihn über den Leistungssport hinaus beschäftigt.

In der Werkstatt der Bootshalle am Stützpunkt in Dortmund ist nach dem Training noch das Licht an. Eine Säge ist zu hören, hier werkelt jemand. Es ist Nico Merget, der mit Bootsmeister Markus Schmitz an einem alten Holz-Einer arbeitet. Genau genommen zerlegen die beiden das Ruderboot und bauen es in neuer Form wieder zusammen: Aus dem Einer wird ein schickes Regal. Nico Merget wird nach dem Training gerne zum Baumeister. Wenn er nicht Ruderer geworden wäre, dann wäre der 26-Jährige heute vielleicht ein äußerst begabter Schreiner.

Die Leidenschaft für das Werkeln fing bei Merget schon in der Jugend an. „Meine Eltern hatten einen großen Garten und wenn dort oder im Haus irgendwelche Arbeiten angefallen sind, habe ich mitgeholfen. Da war eigentlich immer was zu tun“, erinnert sich der gebürtige Frankfurter zurück: „Das hat sich bis heute gehalten. Ich finde es faszinierend, neue Dinge zu erschaffen, vor allem mit Holz.“

Die Kenntnisse hat er von einem Jahrespraktikum bei einer Schreinerei, das er noch zu Schulzeiten gemacht hat. Später, als U23-Ruderer, verdiente er sich die Kosten für die Trainingslager als Aushilfe bei einem Schlosser und hat dabei auch gelernt, Metall zu verarbeiten. „Mit dem Schlosser ist eine Freundschaft entstanden. Wenn ich in der Gegend bin, helfe ich manchmal noch aus, weil es mir Spaß macht und eine Verbundenheit da ist“, so Merget.

Grilltisch im Oktagon-Stil gebaut

Das Regal aus dem Einer war das neueste Projekt und hängt jetzt in Mergets Wohnung in Dortmund. Der Ruderer mag es gerne kreativ, normale Tische und Türen hat er schon genug gebaut. Eines seiner Werke ist ein Grilltisch im Oktagon-Stil, um den mehrere Leute drum herum sitzen können. „Ich mag es, eher extravagante Dinge herzustellen. Manchmal habe ich dabei eigene Ideen, manchmal sehe ich auch im Internet coole Sachen und denke mir: Das hätte ich auch gerne. Und dann baue ich es nach“, erzählt Merget.

Fast wäre es zur Ausbildung gekommen

Die handwerkliche Begabung wäre fast zu seinem Beruf geworden, doch dann rückte der Sport immer mehr in den Vordergrund. „Ich habe lange überlegt, eine Ausbildung in dem Bereich zu machen. Aber der Sport ist meine andere Leidenschaft und am Ende fiel die Entscheidung für das Rudern“, berichtet Merget, der 2018 nach Dortmund zog, um als Teil des Team Deutschland-Achter am Stützpunkt zu trainieren. Seine zweite Leidenschaft erstreckt sich auch über den Bootsrand hinaus, mit einem Studium der Sport- und Erziehungswissenschaften.

Fernstudium fordert Disziplin

Mit seiner Fächerkombination peilt Merget an, Lehrer zu werden. Sein Studium hat er trotz des Umzugs ins Ruhrgebiet an der Goethe-Universität in Frankfurt fortgesetzt. Die Materialien muss er alleine zu Hause durcharbeiten, zu den Prüfungen muss er vor Ort sein. „Das erfordert viel Disziplin, aber das bin ich als Ruderer ja gewohnt“, sagt der 26-Jährige. Aktuell hat er wegen Olympia ein Pausensemester eingelegt. Weil durch Corona die Olympischen Spiele auf das kommende Jahr verschoben wurden, ordnet er seine Pläne aber gerade neu. Der Sport und der Traum von Olympia stehen dabei erst einmal klar im Vordergrund. Danach könnte es in viele Richtungen gehen.

Lehramt ist eine Option

„Ich könnte mir vorstellen, im Master zwei Fächer dazuzunehmen und auf Lehramt zu studieren. Ich habe Spaß daran, Leuten etwas beizubringen und ihnen auf ihrem Weg zu helfen“, verrät Merget. Erste Erfahrungen als Mentor hat er schon gemacht. Bereits mit 14 Jahren betreute er Kids im Frankfurter Turnverein, später trainierte er mehrere Jahre eine Freizeitgruppe bei der Frankfurter RG Germania. „Das war auch mal interessant, die andere Seite kennenzulernen. Seitdem verstehe ich die Trainer besser“, sagt Merget, will sich für die Zukunft aber noch nicht ganz festlegen: „Ich will erst den Bachelor abschließen, bevor ich den nächsten Schritt entscheide. Vielleicht mache ich ja doch noch eine Ausbildung zum Schreiner.“

13.07.2020 | von Felix Kannengießer

Nico Merget im Zweier mit Benedict Eggeling bei der internen DRV-Regatta in Ratzeburg.

Bilder: Lennart Heyduck

 

Nach dem Training treibt es Nico Merget (li.), hier mit Felix Wimberger, oft in die Werkstatt am Stützpunkt in Dortmund.

Foto: Detlev Seyb

 

Aus einem alten Holz-Einer hat Nico Merget ein schickes Regal gemacht.

Auch ein praktischer Grilltisch im Oktagon-Stil zählt zu Nico Mergets Werken.

Termine

9.-11.10.2020: Europameisterschaften in Posen/Polen

16-18.10.2020: SH Netz Cup in Rendsburg

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