Zwischen den Welten
Leonard Brahms Weg ins Team Deutschland-AchterLeonard Brahms hat seinen Weg ins Team Deutschland-Achter über mehrere Länder hinweg gemacht: Leer und Oldenburg, Berkeley in den USA, Cambridge in Großbritannien. Auf seinen Stationen hat er drei Welten erlebt, dabei blieb ein gemeinsamer Nenner: der Anspruch, sich immer wieder neu zu beweisen. Jetzt steht der 24-Jährige mit Frederik Breuer im Zweier des Nationalteams vor seinem nächsten Karriereschritt.
Seine ersten Schläge machte Brahms 2012 beim Ruderverein Leer in Ostfriesland, seiner Heimat. Sein Großvater, selbst ehemaliger Gig-Ruderer, hatte ihn mitgenommen. „Der Verein liegt direkt am Hafen und ist in der Stadt präsent. Das Vereinsleben ist groß“, erzählt Brahms, bei dem sich Rudern schnell zur Leidenschaft entwickelte. Nach den ersten Bundeswettbewerben zeigte sich, dass er mehr wollte. In einer großen Trainingsgruppe in Leer wuchs er an den älteren Athleten und erkannte, dass der Weg in den Leistungssport möglich sein könnte. „Da habe ich mir neue Ziele gesetzt“, so Brahms.
Ab den Juniorenjahren ging er für das „Team Nord West“ an den Start, die vor allem in Oldenburg trainierten. Dort entwickelte er sich weiter und feierte 2017 einen ersten größeren sportlichen Erfolg: Silber bei der Deutschen Meisterschaft im U17-Achter sowie im Vierer ohne. Für Brahms war das rückblickend ein wichtiger Moment: „Das hat mir richtig was bedeutet, denn da habe ich lange dran gearbeitet.“ Sein damaliger Trainer im „Team Nord West“, Matthias Helmkamp, ist ihm bis heute als Ansprechpartner verbunden und mittlerweile beim Berliner Ruder-Club tätig – ebenso wie Brahms selbst dort inzwischen Mitglied ist, ohne seine sportliche Heimat Leer aus dem Blick zu verlieren.
Von Leer nach Berkeley
Nach dem Abitur folgte der erste große Bruch mit der klassischen Laufbahn: 2021 zog es ihn in die USA an die University of California in Berkeley. Der Schritt an das renommierte College mit großer Rudersparte war bereits länger geplant und durch Vorbilder aus seinem Umfeld inspiriert. Ein Schritt, der kaum weiter entfernt sein könnte von Leer: Trainingsgruppen mit 70 bis 80 Athleten, ein Leistungsniveau mit Olympia-Startern und ein völlig neues Umfeld am anderen Ende der Welt. „Gleichzeitig musste ich mich als Freshman unten anstellen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich auf alles einzustellen“, erzählt Brahms, der den Tapetenwechsel nutzte, sich sportlich wie persönlich neu zu beweisen. Berkeley wurde für ihn zu einer der prägendsten Phasen seiner Laufbahn, „eine super Zeit, in der ich viel gelernt habe“, so Brahms.
In den USA vertiefte sich auch die Verbindung zu Frederik Breuer, den er bereits aus gemeinsamen Lehrgängen aus Deutschland kannte. Aus der Bekanntschaft wurde im Laufe der Zeit in Berkeley eine enge Verbindung, geprägt von der gemeinsamen Trainings- und Wohnsituation. „Das hat mir in dieser Parallelwelt etwas Vertrautes gegeben. Jetzt ist er einer meiner besten Freunde“, berichtet Brahms, für den das Rudern schon viele neue Kapitel im Leben geschrieben hat: „Es bringt so viel Abwechslung mit sich: Ich habe über die Jahre viele Freunde gefunden und konnte viele Länder kennenlernen. Durch das Rudern wurden mir einige Möglichkeiten eröffnet.“
Cambridge ist die nächste Station
Am Ende der Zeit in Berkeley stand neben ruderischen Erfolgen bei den National Championships auch der Bachelortitel in Economics. Stillstand kennt Brahms nicht: Direkt im Anschluss suchte er 2025 den nächsten Systemwechsel und zog – wie Breuer auch –nach England an die University of Cambridge, wo er aktuell einen Master in Wirtschaftsgeschichte absolviert. Sportlich wird er dort von den Trainern Rob Baker und Bill Lucas betreut und verbindet das universitäre Umfeld weiterhin mit Hochleistungssport. „Ich habe es zu schätzen gelernt, unterschiedliche Systeme kennenzulernen. Ich will aus jeder Welt das Beste mitnehmen“, erklärt er. Sein größtes Highlight bisher war die Teilnahme am traditionsreichen Boat Race, wo er mit dem Reserveteam den Sieg im Achterrennen holte: „Das war total besonders, vor 200.000 Zuschauern – diese Kulisse erleben zu dürfen.“
Zwei Wochen später holte er bei den Deutschen Meisterschaften Silber mit Breuer im Zweier und empfahl sich damit eindrücklich für das Team Deutschland-Achter. „Besser hätte es nicht kommen können. Ich habe mich über die Nominierung total gefreut und bin super froh, dass wir jetzt diese Lösung gefunden haben, dass wir im Zweier rudern und so Sport und Studium hier in Cambridge vereinbaren können“, so Brahms. Sportlich bewegt er sich dabei zwischen zwei Systemen: Das Training in Cambridge steht in enger Abstimmung mit dem deutschen Nationalteam und Zweier-Bundestrainerin Sabine Tschäge.
Im Zweierfeld etablieren
Mit dem Einstieg in den Zweier im Team Deutschland-Achter beginnt für Brahms nun der nächste Schritt im Seniorenbereich, nachdem er bereits zweimal bei der U23-WM im Vierer mit Steuermann sowie bei den World University Games im Achter Erfahrung sammeln durfte. Gemeinsam mit Breuer will er sich im internationalen Vergleich behaupten und sich im harten Zweierfeld etablieren: „Wir haben noch keinen Anhaltspunkt, wo wir international stehen, aber ich bin zuversichtlich.“ Besonders reizvoll: Beim ersten Weltcup der Saison in Sevilla, der bereits ab Freitag ansteht, wird er nun auch direkt auf ehemalige Teamkollegen und Kommilitonen aus Berkeley und Cambridge treffen. „Ich will alles geben und mich weiterentwickeln“, sagt er.
Brahms hat auch die Zukunft bereits auf dem Zettel: Für die kommenden Jahre plant er, parallel zur sportlichen Laufbahn eine Promotion in Volkswirtschaftslehre aufzunehmen. „Ich habe es schätzen gelernt, mit dem Studium einen Gegenpol zum Rudern zu haben. Das hat mir schon immer gut getan“, erklärt Brahms seine Mühen. Auch sportlich bleibt er ehrgeizig. Nach dem Masterabschluss will er im September nach Deutschland zurückkehren und sich in Dortmund dauerhaft im deutschen System verankern, perspektivisch mit dem Blick in Richtung der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles: „Ich freue mich, nach Deutschland zurückzukehren und dann mit vielen vertrauten Gesichtern gemeinsam anzugreifen.“
Dann beginnt der Teil, der nicht mehr zwischen mehreren Welten stattfindet, sondern mitten in einer: dem internationalen Rudersport. Brahms will sich auch dabei beweisen und wirkt wie jemand, der gerade erst richtig Fahrt aufnimmt.
26.05.2026 | Text: Felix Kannengießer
Leonard Brahms beim offiziellen Team-Fotoshooting.
Fotos: Tizian Hillemann
Leonard Brahms und Frederik Breuer bei den Deutschen Meisterschaften 2026.
Fotos: Detlev Seyb/Maren Derlien
Termine & Ergebnisse
Saison 2025/2026:
29.-31.05.2026: Weltcup in Sevilla (Spanien)
26.-28.06.2026: Weltcup in Luzern (Schweiz)
06.-24.07.2026: Trainingslager in Ratzeburg
25./26.07.2026: The Finals in Hannover
31.07.-02.08.2026: Europameisterschaften in Varese (Italien)
04.-15.08.2026: Trainingslager in Ratzeburg
24.-30.08.2026: Weltmeisterschaften in Amsterdam (Niederlande)
04.-06.09.2026: SH Netz Cup in Rendsburg
Unser weiterer Weg nach LA2028:
Weltmeisterschaften 2027 in Luzern (Schweiz)
Olympische Spiele 2028 in Los Angeles (USA, 14.-30. Juli 2028)
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