„Ego vor der Tür lassen“
Tassilo von Müller aus dem Deutschland-Achter im InterviewTassilo von Müller ist der einzige Neuzugang im Deutschland-Achter für die Saison 2026. Nach acht Jahren im Ausland, in den USA und Großbritannien, legt der gebürtige Essener damit ein imposantes Comeback in Deutschland hin. Dabei hätte von Müller im Jahr 2024 beinahe mit dem Rudern aufgehört. Im Interview verrät der 26-Jährige, warum er beim Rudern doch drangeblieben ist, wie er auf die Nominierung reagiert hat und warum die Rückkehr auch eine Herausforderung ist.
Wie hast du von deiner Nominierung erfahren?
Tassilo von Müller: Kurz nach den Deutschen Meisterschaften in München habe ich bei einer Teamsitzung davon erfahren. Zuerst war es ein komisches Gefühl für mich, weil du mit dem ganzen Team zusammensitzt, auch mit denen, die nicht nominiert wurden. Die Selektion ist hart. Wir haben eine hohe Dichte an guten Sportlern.
Wie nimmst du es jetzt wahr?
Tassilo von Müller: Ich war schnell stolz auf die Nominierung. Der Deutschland-Achter hat eine große Geschichte, die Besten haben in diesem Boot gesessen, hier wurden große Leistungen vollbracht. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich weitentwickeln muss und will. Von daher sind es gemischte Gefühle: Es ist unfassbar toll und dass, worauf ich gehofft habe, aber es wird einem dann auch bewusst, was dahintersteckt.
Wie liefen die Anfänge im Deutschland-Achter?
Tassilo von Müller: Es ist gut angelaufen. Ich habe wahnsinnig Lust auf das Projekt und im Team ist eine gute Stimmung drin. Uns allen ist bewusst, dass wir viel machen müssen: International herrscht ein hoher Standard, darauf arbeiten wir hin.
Was hast du für persönliche Ziele?
Tassilo von Müller: Ich muss gucken, dass ich mich gut reinfinde und mein Ego vor der Tür lasse. Ich habe an mich selbst die Erwartung, dass ich mir eine Stellung in der Mannschaft erarbeite. Ich bin im Ausland zwar viel Achter gefahren, aber muss mich noch mehr darauf einstellen, wie hier beim Team Deutschland-Achter gefahren wird.
Was sind da die Herausforderungen?
Tassilo von Müller: Der Deutschland-Achter ist von der Qualität eines der besten Boote der Welt. Du musst jedes Rennen, jede Einheit, jeden Schlag volle Konzentration bringen. Hier am Stützpunkt in Dortmund liegt ein besonderer Fokus auf der Schlagqualität. Da muss ich mich anpassen, nicht alles mit der Physis zu regeln.
Nach acht Jahren im Ausland bist du zurück in Deutschland. Wie fühlt sich die Rückkehr an?
Tassilo von Müller: Es ist auf jeden Fall was anderes als vorher. Ich weiß nicht, ob ich es hier noch als Heimat beschreiben würde. Es ist eine komische Situation: Ich bin hier aufgewachsen, aber war lange weg – es hat sich viel verändert und ist alles nicht mehr so vertraut wie früher.
2024 hast du mit dem Rudern zeitweise aufgehört, jetzt sitzt du im Deutschland-Achter. Was macht dieser Sprung mit dir?
Tassilo von Müller: Ja, das stimmt. 2024 in England habe ich zwischendurch die Lust am Rudern verloren, wusste nicht mehr, warum ich es mache und habe dann eine Zeit lang nicht gerudert. Nach dem Studium bin ich 2025 wieder eingestiegen, weil es mich erneut gereizt und Spaß gemacht hat. Ich wollte auch nicht gleich in einen Vollzeitjob, sondern es nochmal mit dem Rudern versuchen. Es ist unfassbar cool, dass ich es wirklich geschafft habe. Hier in der Mannschaft sind alle hochkompetitiv – dass ich das Vertrauen der Trainer ausgesprochen bekommen habe, ehrt mich.
Du bist quasi von außen dazugekommen. Wie nimmst du das Team wahr?
Tassilo von Müller: Es ist eine homogene Mannschaft, was das Alter und Leistungsniveau betrifft. Und alle sind extrem motiviert. Alle haben den Ansporn, sich im internationalen Feld nach vorne zu arbeiten. Es passt richtig gut bisher. Ich will gucken, wie weit ich mich hier pushen kann.
Was habt ihr euch als Mannschaft vorgenommen?
Tassilo von Müller: Wir wollen das Beste aus uns herausholen und versuchen, international vorne mitzumischen. Wir haben jetzt einige Wettkämpfe vor uns, die wir mit viel Ehrgeiz und Willen angehen werden. Das große Ziel ist natürlich Olympia 2028 in LA. Bis dahin gilt es, in jeder Trainingseinheit das Beste rauszuholen.
Bist du vor deiner ersten internationalen Saison im Deutschland-Achter eigentlich auch ein wenig aufgeregt?
Tassilo von Müller: Ja, schon ein bisschen. Die anderen kennen das ja alles schon, für mich wird es was Neues. Beim ersten Weltcup werde ich auch auf ein paar Leute treffen, mit denen ich früher studiert habe. Ich freue mich riesig auf die kommenden Wochen und will mich weiter steigern.
24.05.2026 | Interview: Felix Kannengießer
Tassilo von Müller bei der Präsentation des Team Deutschland-Achter.
Fotos: Tizian Hillemann/Detlev Seyb/Maren Derlien
Termine & Ergebnisse
Saison 2025/2026:
29.-31.05.2026: Weltcup in Sevilla (Spanien)
26.-28.06.2026: Weltcup in Luzern (Schweiz)
06.-24.07.2026: Trainingslager in Ratzeburg
25./26.07.2026: The Finals in Hannover
31.07.-02.08.2026: Europameisterschaften in Varese (Italien)
04.-15.08.2026: Trainingslager in Ratzeburg
24.-30.08.2026: Weltmeisterschaften in Amsterdam (Niederlande)
04.-06.09.2026: SH Netz Cup in Rendsburg
Unser weiterer Weg nach LA2028:
Weltmeisterschaften 2027 in Luzern (Schweiz)
Olympische Spiele 2028 in Los Angeles (USA, 14.-30. Juli 2028)
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