„Das war ein dummes Rennen“

Bundestrainer Mark Emke ist unzufrieden mit dem Auftakt des Deutschland-Achters beim Weltcup in Sevilla. Vierte Plätze auch für die beiden Vierer und den Zweier ohne Steuermann am ersten Regattatag.

Sie saßen länger als üblich zusammen in einem Stuhlkreis und analysierten das Rennen, den Testlauf. Der Deutschland-Achter kassierte beim sogenannten Weltcup-Testrennen in Sevilla eine deutliche Niederlage: über zwei Bootslängen Rückstand auf Weltmeister Niederlande, Rumänien und Großbritannien sind eine ordentliche Hypothek für das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes, aber „kein Grund zur Sorge“, wie es Schlagmann Sönke Kruse formulierte.

„Das war ein dummes Rennen. Wir können so viel besser, müssen es aber zeigen“, urteilte Bundestrainer Mark Emke ernüchtert. Deutlich wurde Steuermann Jonas Wiesen: „Wir haben heute das Wichtigste vermissen lassen: Kampf um jeden Zentimeter. Wir waren nicht aggressiv im Durchzug. Und wenn das fehlt, hat man zu keiner Phase des Rennens die Chance zu agieren. Das war ein dummer Fehler, den darf man nicht wiederholen.“

Testrennen mit Lernpotenzial

Im Testrennen mit Lernpotenzial auf dem Guadalquivir gerieten Sönke Kruse, Julius Christ, Tassilo von Müller, Tobias Strangemann, Geburtstagskind Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Paul Klapperich, Theis Hagemeister und Steuermann Jonas Wiesen schon zu Beginn ins Hintertreffen. Während sich vorne ein packender Dreikampf zwischen Niederlanden, Großbritannien und Rumänien entwickelte, musste sich die Crew um Geburtstagskind Olaf Roggensack noch gegen Polen wehren, um nicht Letzter zu werden. Das gelang, mehr aber nicht.

In zwei Tagen, am Sonntag, gibt’s die Möglichkeit, diesen ernüchternden Auftakt zu revidieren. Um 12.49 Uhr treffen diese fünf Achter erneut aufeinander – und der Deutschland-Achter will sich da mit einem komplett anderen Gesicht zeigen. Das war eine wichtige Erkenntnis, nach dem langen Analysegespräch am Freitagnachmittag. „Heute hat nicht alles funktioniert. Das Testrennen macht uns kein Muffensausen. Wir haben daraus gelernt, freuen uns auf Sonntag und werden eine ganz andere Hausnummer aufzeigen“, sagte Schlagmann Sönke Kruse und ergänzte: „Letztes Jahr haben wir es ja gesehen: Das erste Rennen sagt nicht unbedingt viel aus.“ Da hatte der Deutschland-Achter bei der EM in Plovdiv noch freitags beim Vorlaufsieg an der Weltbestzeit gekratzt – und wurde zwei Tage später EM-Vierter.

Vierer überzeugt mit siebtbester Zeit – A-Finale ist das Ziel

Arg gebeutelt ging der Vierer ohne Steuermann in den Saisonstart, machte aber das Beste aus der Situation. Nachdem die Vorbereitung auf den Weltcup in Dortmund immer unter durch Krankheitsausfällen gelitten hatte, fiel kurzfristig René Schmela aus. Ben Gebauer rückte für ihn auf die Position 2 und das Team qualifizierte sich trotz der Rückschläge sicher fürs Halbfinale. Im stark besetzten Vorlauf kamen Jasper Angl, Benedict Eggeling, Ben Gebauer und Mark Hinrichs hinter Vize-Weltmeister Rumänien, dem WM-Sechsten Frankreich und dem WM-Vierten Litauen auf dem vierten Platz und mit der siebtschnellsten Zeit aller drei Vorläufe ins Ziel. „Das war ein starkes Feld. Mit den Litauern haben wir uns einen guten Fight geliefert, mussten sie aber schließlich auf den letzten 200 Metern vorbeilassen“, sagte Schlagmann Jasper Angl, der angesichts der kurzen Vorbereitungszeit in dieser Konstellation mit der Leistung zufrieden war.

Auch Bundestrainerin Sabine Tschäge sieht eine positive Entwicklung des Vierers: „Sie haben es trotz des kurzfristigen Wechsels gut gemacht. Der Vierer kommt ins Rutschen, das hat sich bestätigt. Auf dem Ergebnis können wir aufbauen.“ Und Mark Hinrichs ergänzte: „Mit Ben haben wir uns gut eingefunden. Es fiel es uns leicht, ins Rennen zu finden. Vierer fahren macht Spaß. Mit der siebtbesten Zeit sind wir nah an den Top 6. Da wollen wir hin, das A-Finale ist unser Ziel. Dafür sind wir stark motiviert.“

Simon Schubert, Kaspar Virnekäs, Ole Bartenbach und Paul Martin haben als Perspektivvierer die Chance erhalten, internationale Erfahrung beim Weltcup zu sammeln. Das Quartett belegte in ihrem Vorlauf den vierten Platz und kam nach 6:16,33 Minuten ins Ziel. Die Zeit reichte nicht für den erhofften Halbfinaleinzug. „Die ersten 1.000 Meter liefen gut, aber dann haben wir den Tritt verloren. Für Ole und mich ist es der erste Weltcup, wir hatten keine Leistungserwartung, aber man sich schon etwas Druck. Man will ja performen. Jetzt gilt es, im C-Finale zu zeigen, was wir können“, sagte Paul Martin, der wie Ole Bartenbach sein erstes Jahr im A-Bereich bestreitet. Im C-Finale (Samstag, 10.20 Uhr) kommt es zum Duell mit Tschechien.

Breuer/Brahms: „Mindestanforderung erreicht“

Die Konkurrenz im Zweier ohne Steuermann ist stark. Das bekommen Frederik Breuer und Leonard Brahms, die DM-Zweiten, im Weltcup-Vorlauf zu spüren. Sie belegten in ihrem Rennen hinter Rumänien, Litauen und Uruguay den vierten Platz, kamen aber letztlich über die Zeit weiter. „Das war ein solides Rennen mit etwas Luft nach oben. Dass es am Ende nur für den vierten Platz gereicht hat, hat uns ein wenig überrascht. Im Zweier ist es ein hartes Feld“, sagte Frederik Breuer, der sich zusammen mit Lenard Brahms für das morgige Rennen einiges vorgenommen hat: „Mit dem Halbfinale haben wir die Mindestanforderung erreicht. Aber jetzt wollen wir uns steigern.“

29.05.2026 | von Carsten Oberhagemann

Testrennen beim Weltcup in Sevilla: der Deutschland-Achter am Start des Auftakt-Rennens.

Frederik Breuer und Leonard Brahms bei ihrem gemeinsamen Weltcup-Debüt im Zweier.

Im Halbfinale: der Vierer mit Jasper Angl, Benedict Eggeling, Ben Gebauer und Mark Hinrichs.

Der Perspektiv-Vierer mit Simon Schubert, Kaspar Virnekäs, Ole Bartenbach und Paul Martin.
Bilder: Detlev Seyb & Maren Derlien

Ergebnisse

Achter, Testrennen: 1. Niederlande 5:31,94 Minuten, 2. Rumänien 5:31,96, 3. Großbritannien 6:33,97, 4. Deutschland-Achter (Sönke Kruse, Julius Christ, Tassilo von Müller, Tobias Strangemann, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Paul Klapperich, Theis Hagemeister, Steuermann Jonas Wiesen) 6:39,31, 5. Polen 5:39,89.

Vierer ohne Steuermann, Vorlauf 1: 1. Rumänien 1 5:59,18 Minuten, 2. Frankreich 6:00,96, 3. Litauen 6:04,14, 4. Deutschland 1 (Jasper Angl, Benedict Eggeling, Ben Gebauer, Mark Hinrichs) 6:04,38, 5. Kanada 6:09,88.
Vierer ohne Steuermann, Vorlauf 3: 1. Großbritannien 6:00,82 Minuten, 2. Neuseeland 6:07,38, 3. Spanien 6:11,76, 4. Deutschland 2 (Simon Schubert, Kaspar Virnekäs, Ole Bartenbach, Paul Martin) 6:16,33.

Zweier ohne Steuermann, Vorlauf: 1. Rumänien 6:38,03 Minuten, 2. Litauen 6:42,12, 3. Uruguay 6:44,92, 4. Deutschland (Frederik Breuer, Leonard Brahms) 6:46,61, 5. Frankreich 6:55,13.

Termine & Ergebnisse

Saison 2025/2026:
29.-31.05.2026: Weltcup in Sevilla (Spanien)
26.-28.06.2026: Weltcup in Luzern (Schweiz)
06.-24.07.2026: Trainingslager in Ratzeburg
25./26.07.2026: The Finals in Hannover
31.07.-02.08.2026: Europameisterschaften in Varese (Italien)
04.-15.08.2026: Trainingslager in Ratzeburg
24.-30.08.2026:
 Weltmeisterschaften in Amsterdam (Niederlande)
04.-06.09.2026: SH Netz Cup in Rendsburg

Unser weiterer Weg nach LA2028:

Weltmeisterschaften 2027 in Luzern (Schweiz)

Olympische Spiele 2028 in Los Angeles (USA, 14.-30. Juli 2028)

Deutschland-Achter GmbH
An den Bootshäusern 9-11
44147 Dortmund

Telefon: 0231-985125-11
Telefax: 0231-985125-25
info@deutschlandachter.de