Lesbisch – schwul: Ein Gespräch zum LGBT-Pride-Month

Till Martini, Torben Johannesen und Sabine Tschäge über Outing, Toleranz und Persönlichkeiten bei queeren Leistungssportlern

Der Juni ist der LGBT-Pride-Month. Das Team Deutschland-Achter ist absolut tolerant gegenüber sexuellen Minderheiten und zeigt großes Verständnis für die Vielfalt unterschiedlicher sexueller Ausrichtungen. Wir wollen den LGBT-Pride-Month zum Anlass nehmen und sprechen mit Till Martini, Torben Johannesen und Sabine Tschäge über dieses Thema.

Till, Du hast Dich offen zu Deiner Homosexualität bekannt. Das ist ein mutiger Schritt und sicher auch ein sehr wichtiger für Dich gewesen. Erzähl mal, was Dich dazu bewogen hat, Dich zu outen.

Till Martini: Für mich war es kein mutiger Schritt. Ich war 18, 19 Jahre alt, da hatte ich nicht das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Ich bin halt schwul und kann das gerne offen kommunizieren. Ich hatte kein großes Coming-Out, vielmehr habe ich es Schritt für Schritt immer mehr Leuten persönlich erzählt. Dann hat es sich halt herumgesprochen. Ich weiß gar nicht, ob es mittlerweile alle in meinem Umfeld wissen.

Das war für Dich als Leistungssportler auch kein Problem?

Till Martini: Es war natürlich die Sorge dabei, dass es einen negativen Einfluss auf die leistungssportliche Karriere haben könnte, sich zu bekennen. Das war im Nachhinein aber ziemlich unbegründet.

Torben, wie ist Deine Sicht darauf?

Torben Johannesen: Es ist, wie es Till sagt, sehr schade, dass man befürchten muss, dass es negative Auswirkungen haben kann. In öffentlichkeitswirksameren Sportarten – wie im Fußball – sieht man, dass kaum aktive Sportler diesen Schritt gehen, sondern wenn überhaupt erst nach ihrer aktiven Karriere. Ich finde es sehr stark von Till, dass er so offen damit umgeht. Und ich denke auch, dass wir als Mannschaft sehr offen sind und es keinen Unterschied macht, welches Geschlecht jemand bevorzugt. Ich sehe Till nicht anders als vor seinem Outing.

Was meinst Du, Till: Ist es im Rudersport oder im olympischen Sport generell einfacher, sich zu outen?

Till Martini: Ja, der öffentliche Druck ist nicht so groß. Ich kenne auch Ruderer, die sich erst nach ihrer sportlichen Karriere aus Sorge vor negativen Einflüssen dazu bekannt haben. Aber damit muss man immer rechnen. Auch ich, als Sportler ohne große Reichweite, habe schon einzelne Hasskommentare dafür bekommen. Das ist im Fußball mit der großen medialen Präsenz noch viel, viel mehr.

Wie gehst Du damit um?

Till Martini: Blockieren. Fertig. Das ist mir tatsächlich ziemlich egal, weil man die Leute ja nicht kennt, die so etwas schreiben.

Sabine, Du bist mit Deiner Freundin seit mehreren Jahren liiert. Wie wichtig ist es heutzutage, in einer Sportmannschaft tolerant zu sein, gegenüber sexuell anders orientierten Menschen?

Sabine Tschäge: Das ist ja eigentlich ein privater Aspekt, der ja nichts an der Persönlichkeit des Menschen ändert. Ich habe mit dem Outing ein bisschen länger gebraucht als Till, auch aus Sorge davor, dass es Repressalien geben könnte und man nur auf diese eine Sache reduziert wird. Till kann stolz auf sich sein, aber eigentlich müsste es eine ganz normale Sache sein. Das ist ein privater Bereich, der nur etwas darüber aussagt, mit wem man sein Leben teilt. Ich finde es schade, dass es teilweise immer noch eine so große Rolle spielt. Wenn sich im Fußball jemand outet, ist das ja gleich eine Riesen-Sensation. Beim Rudern wird es zur Kenntnis genommen – und gut ist.

Entspannte Gesrächsatmosphäre (v.r.): Till Martini, Sabine Tschäge und Torben Johannesen.

Wie wichtig ist es, dass es den LGBT-Pride-Month gibt?

Sabine Tschäge: Das wir jetzt hier so sitzen und darüber sprechen, hat einen langen Anlauf. Es gibt aber auch Länder, die noch nicht so weit sind. Deshalb ist es wichtig, dass man darüber spricht und mitteilt, dass eine solche Orientierung kein Hinderungsgrund für irgendetwas ist im Leben.

Torben Johannesen: Für Außenstehende wie mich ist es schwierig, sich in eure Lage zu versetzen. Für uns als Team ist es aber wichtig, dass wir ganz klar hinter euch stehen. Und im Sport generell haben solche Hasskommentare, hinter denen sich oft ja auch die Verfasser im Internet verstecken, einfach keinen Platz. Sport steht für Akzeptanz, Toleranz und Vielfalt. Das sind wichtige Kernelemente, die wir als Team verkörpern.

Till Martini: Das ist immer eine laute Minderheit, die solche Kommentare abgibt. Der Großteil der Gesellschaft hat da kein Problem mehr mit.

Sabine Tschäge: Torben, Du als Familienvater würdest Deine Tochter ja auch nicht weniger lieben, wenn sie später mal mit einer Frau zusammen wäre. Das Lebensmodell ändert sich vielleicht, aber der Mensch und die Persönlichkeit bleiben gleich.

Torben Johannesen: Absolut. Das ist eher die Angst vor etwas Unbekanntem, die gerade bei den älteren Generationen vorherrscht. Das es in manchen Familien ein größeres Thema ist, haben wir aus unserem Bekanntenkreis erfahren. Das ist schade.

Sabine Tschäge: Jeder Mensch trägt etwas in sich. Das ist ja nur ein Aspekt vom Leben, nicht der alles Bestimmende.

Till Martini: Aber es ist gut und wichtig, dass man – wie wir jetzt – drüber redet und wir als Team Deutschland-Achter diese tolerante Position einnehmen.

23.06.2023 | Interview: Carsten Oberhagemann

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