Richard Schmidt ist immer noch ganz nah am Team

In einer Serie hören wir bei den ehemaligen Athleten aus dem Deutschland-Achter nach, wie es bei ihnen nach der Ruderkarriere weitergeht.

Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio im vergangenen Sommer haben viele langverdiente Sportler aus dem Deutschland-Achter einen neuen Lebensweg eingeschlagen. Aus der Silber-Crew von Tokio sind aktuell nur noch Laurits Follert, Torben Johannesen und Olaf Roggensack dabei. Wir hören in unserer neuen Serie bei den ehemaligen Athleten aus dem Deutschland-Achter nach, wie es nach ihrer Ruderkarriere weitergeht. Im vierten Teil gewährt uns Richard Schmidt einen Blick in seinen neuen Lebensabschnitt.

Richard Schmidt hat in seiner Zeit im Team Deutschland-Achter eine einzigartige Titelsammlung zusammengetragen. Als EM-Zweiter 2007 im Vierer ohne Steuermann und als Ersatzmann 2008 bei Olympia in Peking rückte er 2009 erstmals in das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes. Nach drei WM-Titeln in Folge ruderte er 2012 bei Olympia in London zu Gold. Vier Jahre, vier EM-Titel und drei WM-Silbermedaillen später gewann er olympisches Silber in Rio de Janeiro. Auch danach war er im Deutschland-Achter stets Leistungsträger, als das Flaggschiff unbesiegt durch Europa- und Weltmeisterschaften ging. Mit Silber bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 beendete er seine beeindruckende Ruderkarriere.

Trotz des Endes seiner sportlichen Laufbahn ist Schmidt bei vielen Wettkämpfen des Team Deutschland-Achter weiterhin zugegen – aber nicht als Ruderer, sondern als Repräsentant des Hauptsponsors Wilo. Der 35-Jährige hat nahtlos an sein Wirtschaftsingenieurwesen-Studium angeknüpft und arbeitet nun bei dem multinationalen Technologiekonzern und weltweit führenden Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen, wo er parallel seine Doktorarbeit im Bereich Energietechnik vorantreibt. „Mein Alltag hat sich komplett verändert im Vergleich zum Rudern“, sagt Schmidt.

Zukunftstechnologie

Bei Wilo ist der Ex-Ruderer Projektleiter in einem Team, das an einer Zukunftstechnologie feilt. Dabei wurde eine Anlage entwickelt, um Photovoltaik-Strom in Form von Wasserstoff zu speichern. „So eine Anlage gibt es bislang noch nicht. Das zeigt, wie innovativ Wilo ist. Ich bin sehr dankbar, dass Jochen Opländer und Oliver Hermes dieses Projekt immer vorangetrieben haben“, so Schmidt. Die neue Anlage könnte gerade in den aktuell energietechnisch kriselnden Zeiten für eine weitere Alternative sorgen.

Erinnerungen ans Rudern

Schmidt hat seine Aufgabe an seiner neuen Wirkungsstätte angenommen: „Ich wurde von der Wilo-Familie gut empfangen. Ich habe gleich zu Beginn meine Ziele definiert, dann haben wir auch schon die ersten Dinge in die Wege geleitet.“ Dennoch fiel ihm der Abschied vom Rudern schwer: „Die Umstellung war nicht einfach. Klar vermisse ich den Sport mit der Truppe, auch die Vorbereitung auf die Wettkämpfe. Aber am meisten vermisse ich die Menschen, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, die Teamkollegen und auch das Team drumherum, vom Bootsmeister über die Trainer bis zu den Ärzten und Physios. Ich bin mit vielen befreundet und versuche, Kontakt zu halten, aber ich würde diese Leute gerne öfters sehen.“

Jeden Tag Sport

Was dem 35-Jährigen häufig fehlt, ist die Zeit. Mehr als 50 Stunden die Woche investiert er in seinen Job bei Wilo. Vor der Arbeit steht Schmidt bereits um 5.30 Uhr auf, um abzutrainieren, was für ehemalige Leistungssportler essenziell ist. „Ich versuche, das konsequent jeden Tag durchzuziehen und immer schon direkt morgens wegzuhaben. Ich halte das für sehr wichtig und will das vernünftig machen“, erzählt er. Auf dem Trainingsplan steht vor allem Radfahren, außerdem zweimal die Woche Krafttraining und am Wochenende Ergometerfahren. Nur das Ruderboot kommt nur noch selten zum Einsatz – dafür fehlt wieder die Zeit.

Doktorarbeit

Abends nach der Arbeit steht dann die Doktorarbeit an, die sich ebenfalls mit Energietechnik beschäftigt, genauer mit einer Technik, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu zersetzen. „Es war in den letzten Monaten schon schwierig, abends nochmal die Kraft zu finden, sich an die Promotion zu setzen. Mein Ziel ist es, die Doktorarbeit in einem halben Jahr abzuschließen. Ich hoffe, dass ich danach wieder mehr Zeit zur Verfügung habe und sich der Druck etwas abbaut. Ich bin momentan viel im Stress und bekomme nur wenig Schlaf.“

Junge Familie

Neue Hobbies oder Sportarten hat Schmidt deswegen nach dem Rudern noch nicht entdecken können, auch Urlaub hatte er bislang nur zehn Tage. Seine wenige Freizeit schenkt er seiner jungen Familie. „Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau und meinen Kindern, es darf aber gerne mehr sein. Meine Frau unterstützt mich auch aktuell wieder voll und ganz“, berichtet Schmidt: „Ich hoffe, in der Zukunft auch Zeit für neue Hobbies zu finden. Jakob Schneider hat schon angefragt, ob ich nicht mal Jiu-Jitsu mit ihm ausprobieren möchte. Da hätte ich auf jeden Fall Lust drauf. Oder eine Trainingsgruppe mit einigen ehemaligen Ruderern – da wäre ich auch mit dabei.“

Kontakt zum Team

Immerhin zur neuen Ruderergeneration hat Schmidt, der auch noch als Athletenvertreter im Präsidium des Deutschen Ruderverbandes ein Ehrenamt ausfüllt, als Verbindungsmann zum Team Deutschland-Achter bei Wilo regelmäßig Kontakt – und dafür ist er äußerst dankbar: „Für mich ist das ein Riesenglück, dass ich so dem Team Deutschland-Achter erhalten bleibe. So kann ich Kontakte halten, bei Wettkämpfen an der Strecke dabei sein und gleichzeitig Flagge für Wilo zeigen.“ So schließt sich der Kreis für Richard Schmidt wieder.

17.10.2022 | von Felix Kannengießer

 

Bei der Präsentation des Team Deutschland-Achter in diesem Jahr hatte Richard Schmidt eine neue Rolle inne.

Fotos: Detlev Seyb

Richard Schmidt im Team Deutschland-Achter.

Termine

Trainingslager in Lago Azul (Portugal, 03.-17.01.2023)

Trainingslager in Lago Azul (Portugal, 31.01.-15.02.2023)

Langstrecke in Leipzig und 2.000-Meter-Ergometer-Test (01./02.04.2023)

Deutsche Kleinbootmeisterschaften in Brandenburg (14.-16.04.2023)

Internationale Wedau-Regatta in Duisburg (13./14.05.2023)

Europameisterschaften in Bled (Slowenien, 26.-28.05.2023)

Weltcup in Varese (Italien, 16.-18.06.2023)

Weltcup in Luzern (Schweiz, 07.-09.07.2023)

Trainingslager in Völkermarkt (Österreich, 21.07.-06.08.2023)

Trainingslager in Ratzeburg (16.-26.08.2023)

Weltmeisterschaften in Belgrad (Serbien, 03.-10.09.2023)

SH Netz Cup in Rendsburg (15.-17.09.2023)

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