Mit guter Laune und 100 Prozent

Sabine Tschäge ist Trainerin aus Herz und Leidenschaft

Sabine Tschäge ist seit Ende Dezember 2021 die erste weibliche Trainerin im Team Deutschland-Achter. Die 51-Jährige hat ihren Weg als Trainerin schon früh gemacht und ist bei ihrer neuen Aufgabe mit vollem Tatendrang dabei. Denn Tschäge ist nicht nur immer gut aufgelegt, sondern fordert auch immer 100 Prozent – auch von sich selbst. Das hat die Trainerin des Jahres 2021 im Leben weit gebracht.

Bevor Sabine Tschäge zur Trainerin wurde, stieg sie selbst regelmäßig ins Ruderboot. Mit damals zwölf Jahren fand sie zum Rudern. „Bei mir war es der Klassiker: Eine Freundin hat mich mitgenommen, mir hat es gleich Spaß gemacht, draußen Sport zu machen. Und wir hatten eine super Gruppe“, erinnert sich Tschäge, die es als Sportlerin der Renn-Ruder-Gemeinschaft Mülheim an der Ruhr bis in die DM-Finals schaffte. Doch schnell zeichnete sich ab, dass sie das Trainerdasein noch mehr reizte.

„Da wurde ich auch von meinem Trainer Dr. Peter Neu geprägt. Ich habe schon als Ruderin immer angefragt, ob ich mithelfen kann“, sagt Tschäge. Mit 18 Jahren war dann mit der aktiven Ruderlaufbahn Schluss, stattdessen übernahm sie immer mehr Traineraufgaben. Erst half sie bei Regatten aus, dann stieg sie ganz ins Trainerteam bei den B-Junioren in Mülheim ein. Der Trainerberuf nahm sie zunehmend mehr ein, es blieb zunächst aber eine ehrenamtliche Leidenschaft. Das erste Standbein sollte ein Lehramt werden, in Essen studierte sie Sport und Sozialwissenschaften. Doch es kam dann alles anders.

Das Herz entschied sich für das Rudern

„Meine ersten Praktika an Schulen waren sehr ernüchternd und beim Rudern wurde es immer erfolgreicher – wir hatten einige Leute in der Nationalmannschaft“, erzählt Tschäge, die zunächst noch übergangsweise als Disponentin am Flughafen Düsseldorf arbeitete, bis die endgültige Entscheidung fiel: „Mit 30 Jahren habe ich gesagt: Beides geht nicht parallel.“ Das Herz hing am Rudern. Also bewarb sie sich als Landestrainerin in Hessen und wurde gleich genommen. Von da an war Rudertrainerin ihr Beruf.

Große Erfolge als Trainerin

„Wenn dein Hobby zum Hauptberuf wird, ist das eine andere Hausnummer. Da musste ich erstmal gucken und mich dran gewöhnen. Aber das ist schnell gelungen. Der Beruf macht mir einfach viel Spaß“, sagt Tschäge, die 2008 die Ausbildung zur Diplom-Trainerin in Köln abschloss. Überall, wo sie war, führte sie ihre Schützlinge zu Erfolgen. Im Jahr 2009 kam sie zurück nach Nordrhein-Westfalen, als Trainerin am Stützpunkt in Krefeld und beim Crefelder Ruder-Club. 2017 wurde sie U19-Bundestrainerin. Im Sommer 2020 sprang sie als Trainerin für den Leichtgewichts-Doppelzweier ein, den sie schon vorher zu Erfolgen führte und diesmal zu Silber bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio.

Im Geiste jung geblieben

Tschäges Weg hat sie nun ins Team Deutschland-Achter geführt. Einen Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn ist für sie schwer zu bestimmen: „Man nimmt von jeder Station was mit. Ich hatte viele prägende Erlebnisse, das ist ein breites Spektrum. Natürlich war Olympia letztes Jahr ein besonderes Erlebnis, aber oft sind es auch Kleinigkeiten, die hängenbleiben und genau so wichtig sein können. Man wächst mit den Jahren. Im Trainerberuf ist es auch kein Nachteil, wenn man älter wird, solange man im Geist jung bleibt und sich auf dem Laufenden hält.“

„Wünsche mir mehr Frauen im Trainerberuf“

Die nächsten Höhepunkte will sie im Team Deutschland-Achter setzen, wo sie die erste Trainerin in der Geschichte ist. In den Vordergrund stellen will sie das nicht. „Ich denke, generell muss sich jeder als Trainer seine Reputation erarbeiten. Ich kann nicht ermessen, ob es für mich als Frau schwerer oder einfacher war, weil ich die andere Seite nicht erlebt habe. In meiner Laufbahn bin ich den anderen jedenfalls immer auf Augenhöhe begegnet“, sagt Tschäge: „Trotzdem würde ich mir wünschen, dass es noch mehr Frauen im Trainerberuf gibt und dass es eine Selbstverständlichkeit wird.“

Gut eingelebt

Beim Team Deutschland-Achter soll ihr Weg nun weitergehen. Die Eingewöhnungszeit hat sie hinter sich. „Am Anfang musste ich erstmal reinkommen. Hier in Dortmund sind wir ein Trainerteam, das ist ein anderes Arbeiten. Und es geht um das deutsche Flaggschiff, das ist natürlich auch etwas Besonderes. Aber ich habe mich gut eingelebt, ich kannte viele hier ja auch schon lange, es waren immer Berührungspunkte da“, berichtet Tschäge und richtet den Blick auf die Zukunft: „Ich will immer weiter dazulernen. Sportlich gilt es, den Vierer Richtung Weltcup in Posen vorzubereiten. Und langfristig will ich gerne auch mit dem Vierer vorwärtskommen, damit es noch attraktiver wird, diese Bootsklasse zu fahren.“

Bei den Athleten kommt Tschäge gut an. Die 51-Jährige ist in vielerlei Hinsicht ein Kumpeltyp, immer gut aufgelegt und auch mal mit einem lustigen Spruch auf den Lippen, stets kommunikativ, ehrlich und frei heraus. Gleichzeitig ist sie aber auch ehrgeizig und will etwas erreichen. Die Trainerin weiß, was sie will. „Mir ist es wichtig, mit den Athleten auf einer Ebene im Konsens zu arbeiten. Ich erwarte aber auch, dass die Athleten hundert Prozent geben, genauso wie ich“, so Tschäge.

Vom Rudern abschalten

Wenn das Training und alle Arbeiten vorbei sind, schaltet sie am liebsten ganz vom Rudern ab. Die gebürtige Duisburgerin ist seit ihrem Engagement in Dortmund wieder in ihrer Heimat Mülheim an der Ruhr zurück, wo auch noch ihre Familie und ihr jüngerer Bruder Martin – Sportvorsitzender beim Ruderverband NRW – leben. Tschäge ist in ein Mehrgenerationenhaus gezogen. Dort stehen aktuell Umbauarbeiten an, vor allem die Gartenplanung. „Und meine einjährige Nichte ist momentan auch da. Da ist dann immer viel los, aber das ist ein schöner Ausgleich. Nach Feierabend richte ich möglichst den Fokus weg vom Rudern“, erzählt sie: „Ich mache auch gerne kulturelle Sachen oder gehe Fahrrad fahren. Und montags sitze ich immer eine Stunde auf dem Ergometer. Nur Rudern gehe ich in meiner Freizeit selten. Wenn du gerade vom Wasser kommst, dann ist irgendwann auch der Ofen aus. Und da ist mein eigener Anspruch an mich selbst auch zu hoch.“ 100 Prozent müssen es eben sein.

30.05.2022 | von Felix Kannengießer

 

Sabine Tschäge am Stützpunkt in Dortmund …

Fotos: Detlev Seyb

… und bei der Auszeichnung zur Trainerin des Jahres.

Foto: Sportfoto Baumann

 

Termine

SH Netz Cup in Rendsburg

Freitag, 30.09.: Ergo-Cup im Rendsburger Hafen (19.30 Uhr)
Samstag, 01.10.: Sprintrennen im Rendsburger Hafen (16.10 Uhr)
Sonntag, 02.10.: 12,7-Kilometer-Langstrecke von Breiholz nach Rendsburg (13.10 Uhr)
Nationen: Deutschland, Niederlande, USA, Ukraine

TV-Übertragung:
NDR Schleswig-Holstein Magazin (Fr., ab 19.30 Uhr)
NDR live (So., 13.00 Uhr - 14.00 Uhr)
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