Kämpfer, Motivator und Innovator

Mit Maximilian Planer beendet ein Ruderer seine Karriere, der das Team Deutschland-Achter auf vielfältige Weise vorangebracht hat

Vor 20 Jahren hat er in seiner Heimatstadt Bernburg mit dem Rudern begonnen, jetzt beendet Maximilian Planer seine Karriere, als dreifacher Europameister und zweifacher Weltmeister im Deutschland-Achter sowie als Olympia-Teilnehmer, zweifacher EM-Bronze-Gewinner und Weltcup-Sieger im Vierer ohne Steuermann. Auch über den Bootsrand hinaus war der 30-Jährige immer ein wichtiger Motivator und Innovator, der das Team Deutschland-Achter auf vielfältige Weise vorangebracht hat. Zum Abschluss seiner beeindruckenden Ruderlaufbahn übernehmen einige seiner Weggefährten das Wort.

Seit 2013 ist Maximilian Planer ein fester Bestandteil des Team Deutschland-Achter, schon lange vorher hat er Felix Wimberger kennengelernt. Gemeinsam wurden sie 2008 Junioren-Weltmeister im Achter, bildeten bis zuletzt acht Jahre lang durchgängig, mit nur einer kurzen Unterbrechung, zusammen einen der besten Zweier Deutschlands und schafften 2014 gemeinsam erstmals den Sprung in den Deutschland-Achter, wo sie gleich Europameister und WM-Zweiter wurden.

Wimberger: „Eheähnliche Verhältnisse“

„Bei Max und mir kann man schon fast von eheähnlichen Verhältnissen sprechen. Wir sind erstmals 2008 zusammen gerudert und haben seitdem ziemlich viel gemeinsam erlebt. Er ist die Person, die mich wohl mit am besten kennt. Wie kaum ein anderer hat er mich in guten wie in schwierigen Zeiten erlebt. Das gilt gegenseitig. Mit Max ging es los und hört es auf für mich, ich habe ihm viel zu verdanken“, sagt Wimberger: „Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht und kann mit ihm über alles reden. Max ist super unkompliziert, offen für alles und einfach sympathisch. Er ist ein absoluter Teamplayer und besitzt auch einen ganz guten Weitblick. Zwischen uns hat es zwischenmenschlich immer super geklappt, bei uns kann man sicherlich von einer guten Freundschaft sprechen.“

Im Ruderboot wie an Land haben sich die beiden immer perfekt ergänzt und sich 2016 im Vierer ohne Steuermann ihren Traum von Olympia erfüllt. „Wir sind ganz unterschiedlich vom Typ, und genau das macht es bei uns aus. Ein gutes Beispiel: Er ist ein totaler Wettkampftyp und hat uns bei den Rennen oft den entscheidenden Input gegeben. Ich bin eher der Typ gewesen, der das Team im Training vorangetrieben hat“, berichtet Wimberger: „Was uns als Team ausgezeichnet hat, war, dass wir immer das gleiche Ziel vor Augen hatten und gegenseitig unsere Stärken und Schwächen akzeptiert haben. Man gewinnt und man verliert zusammen, das haben wir immer so gelebt.“

Johannesen: „Er macht keine halben Dinge“

Im Deutschland-Achter hatte Wimberger seinen Platz oft hinter Planer, in den späteren Jahren saß Torben Johannesen direkt vor ihm. Gemeinsam gewannen sie im Deutschland-Achter 2017 und 2018 jeweils die Weltmeisterschaft und die Europameisterschaft. „Max kenne ich seit dem Trainingslager Anfang 2016 in Sabaudia besser. Mit ihm bin ich zwar nur wenige Einheiten im Zweier gefahren, aber dabei hat er mir sehr viel beigebracht. Es war genau das, was ich damals brauchte. Das war ein super wichtiger Moment für mich“, erinnert sich Johannesen und beschreibt Planer: „Max ist ein sehr zielstrebiger Mensch, der genau weiß, was er möchte und das mit Leidenschaft verfolgt. Er macht keine halben Dinge und hinterfragt sich oft selbstkritisch. Das sind Fähigkeiten, die ihn immer ausgezeichnet haben.“

Auch über den Bootsrand hinaus waren Johannesen und Planer verbunden. „Wir haben früher privat oft Fifa gespielt, in den Trainingslagern gab es einige heiße Matches. Und ich war auch in der Rennradgruppe mit Johannes, Wimbo und Max. Es hat immer Spaß gemacht mit ihm“, erzählt Johannesen und schickt einen Gruß raus: „Max kann auf eine starke Ruderkarriere zurückblicken, mit seinen EM- und WM-Titeln und der Olympiateilnahme. Er war lange dabei, hat das Team mitgeprägt und kann stolz sein auf das, was er erreicht hat. In irgendeiner Weise wird er bestimmt auch dabeibleiben. Ich wünsche ihm alles Gute, er wird seinen Weg machen.“

Schönberg: „Er hat sich super rangekämpft“

Immer wieder hat Max Planer auch den Vierer ohne Steuermann vorangebracht. In den vergangenen Jahren war Tim Schönberg im Vierer sein Trainer und hat bei diesem Eindruck hinterlassen, vor allem durch sein Comeback nach seinem akuten Nierenversagen bei der internen Qualifikation des Team Deutschland-Achter 2020, als ein Karriereende im Raum stand. „Bei Max war es ein Durcheinander, dadurch, dass er durch die Krankheit erst raus und der Zug schon fast abgefahren war. Dann hat er es doch noch geschafft, weil er drangeblieben ist und sich super rangekämpft hat. Das war beeindruckend“, sagt Schönberg: „Ich hatte den Eindruck, insgesamt hat es im Vierer mit den einzelnen Charakteren immer gut zusammengepasst. Wir alle haben voneinander gelernt und uns zusammen entwickelt. Wir sind zu einem guten Team geworden.“

Planer ist ihm dabei in guter Erinnerung geblieben. „Im Ruderboot war er immer einer, der Lockerheit mit reingebracht hat. Max ist ein offener Typ und durch das, was er erlebt hat, auch sehr offen für neue Wege“, beschreibt Schönberg: „Max ist wesentlich reifer, als ich es in seinem Alter war, wie er auf die Ernährung oder die mentale Ausgeglichenheit achtet. Das hat uns alle weitergebracht.“

Hoffmann: „Ein Mindest-Monster und Herzensmensch“

Während des Corona-Lockdowns hat Planer junge Sportler in Live-Videokonferenzen ermutigt und Tipps gegeben, mittlerweile hält er ganz professionell Vorträge. Von seinen Erfahrungen berichtet er auch in seinem Podcast „Gamechanger“, mit dem er andere dabei unterstützen will, ihr Potential zu entfalten. Unter anderem Chef-Physiotherapeut Carsten Hoffmann war dort schon zu Gast.

„Max ist ein Athlet gewesen, der sich super reflektiert und an seinem Mindset gearbeitet hat. Er ist in seiner Karriere sehr gewachsen, als Mensch wie als Athlet. Er ist einer, der die Höhen und Tiefen des Leistungssports auf allen Ebenen mitbekommen hat und diese auch super gelebt hat. Er hat sowohl die Erfolge gefeiert als auch die Tiefschläge erfahren – und er hat die Fähigkeit gehabt, diese zu reflektieren und daraus Stärke zu ziehen, daran weiter zu wachsen. Wenn ich seine gesamte Karriere sehe, dann ist es unglaublich, was für ein Mindest-Monster aus ihm geworden ist“, so Hoffmann: „Er hat seinen Weg gefunden als Athlet und gibt die Erfahrungen, die er gemacht hat, nun an andere weiter. Max ist jemand, der immer offen für neue Dinge war. Er hat immer versucht, jedes Prozent aus sich rauszuholen. Er hat auch vieles an den Stützpunkt gebracht, neue Dinge und Wege eröffnet. Er hat sich oft eingebracht, wie sich die Mannschaft weiter optimieren kann, bis hin zur Ernährung.“

Vom Menschen Maximilian Planer zeigt sich Hoffmann tief beeindruckt. „Max hat seinen Gegnern immer einen großen Respekt gezollt und ist mit vielen bis heute im Austausch geblieben. Er hat die anderen auch nie wirklich als direkte Konkurrenz gesehen, sondern immer als Menschen, mit denen man sich messen durfte“, berichtet er: „Max war immer schon ein Teamplayer, der für andere da war, für Fairness eingestanden ist und versucht hat, alle zusammen zu bringen und für gute Laune zu sorgen. Max ist ein Herzensmensch, der sehr authentisch geblieben ist in dieser Leistungssportwelt.“

06.10.2021 | von Felix Kannengießer

Maximilian Planers Karriere im Team Deutschland-Achter in Bildern.

Termine & ergebnisse

SH Netz Cup in Rendsburg:

Stadtwerke SH Ergo-Cup der internationalen Achter (500 Meter): 1. Polen 1:20,3 Min., 2. Deutschland-Achter 1:20,4, 3. Niederlande 1:21,8

Emil Frey Küstengarage Ruder-Sprint-Cup der Internationalen Achter (400 Meter), 1. Rennen: 1. Deutschland-Achter 1:01,52 Min., 2. Niederlande 1:02,32, 3. Polen 1:04,06; 2. Rennen: 1. Deutschland-Achter 1:05,65 Min., 2. Niederlande 1:06,82, 3. Polen 1:07,07

 

 

SH Netz Cup über 12,7 Kilometer: 1. Deutschland 21:12,4 Minuten, 2. Niederlande 21:52,1, 3. Polen 42:25,0.

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