„Danke, Richard!“

Eine Ära endet: Zum Ausklang der einzigartigen Sportlerkarriere von Richard Schmidt blicken einige seiner Weggefährten auf so manche Momente in seiner überaus erfolgreichen Zeit im Deutschland-Achter zurück.

Beim Deutschland-Achter geht eine Ära zu Ende: Kaum ein Ruderer hat das deutsche Flaggschiff in den vergangenen Jahren so geprägt wie Richard Schmidt. In seinen 13 Jahren im Deutschland-Achter, in denen er immer fester Bestandteil der Crew war, hat er bei den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften insgesamt 16 Gold- und sechs Silbermedaillen gesammelt. Auch über den Bootsrand hinaus war „Richie“ immer engagiert. Zum Abschied erzählen einige Weggefährten von ihren Erlebnissen mit Richard Schmidt.

Einer, der Schmidt lange Jahre eng begleitet hat, ist DRV-Mannschaftsarzt Dr. Uli Kau. „Unser Verhältnis geht weit über das Sportliche hinaus, wir haben viel zusammen durchgemacht. Richard ist ein vertrauenswürdiger Mensch, verlässlich und ehrlich. Er hat eine super Persönlichkeit und ist immer ganz klar strukturiert“, sagt der Doc und zählt auf, was Schmidt als Sportler auszeichnet: „Richard ist ein Trainingsweltmeister, ein sehr professioneller Sportler in allen Bereichen, unheimlich arbeitsam und fleißig. Wenn er mal eine Einheit verpasst hat, muss er sie sofort nachholen, auch wenn es nachts ist.“

Kau: „Immer auf dem Boden geblieben“

Dieser Trainingsfleiß hat Schmidt mit dem Deutschland-Achter große Erfolge eingebracht, in den Mittelpunkt hat er sich deswegen nie gestellt. „Es ist ein Wahnsinn, was für Erfolge Richard eingefahren hat und er ist trotzdem immer auf dem Boden geblieben. Für ihn ist die Mannschaft sehr wichtig, Richard versucht, alles zusammenzuhalten und, wenn die Wellen hochschlagen, alle runterzuholen. Er hat ja auch als Athletensprecher, im Ausschuss des DOSB und bei der WADA Verantwortung getragen.“

Kau hatte als Mannschaftsarzt viele Erlebnisse mit Schmidt. Zuletzt war der Doc mit der richtigen Hilfe kurz vor den Olympischen Spielen in Tokio zur Stelle, als er dessen Rückenprobleme in den Griff bekam. „Wir hatten so viele Momente zusammen, aber spontan habe ich das Trainingslager in Avis im Dezember 2015 vor Augen. Da hatte Richard keinen Zweierpartner und war richtig verzweifelt. So hatte ich ihn noch nie erlebt, das hat mich damals auch richtig mitgenommen“, erinnert sich Kau. Kurz darauf wurde er mit Malte Jakschik zusammengesetzt und Schmidt fand auch sein Siegerlächeln wieder: Dreimal in Folge wurde das Duo im Zweier Deutscher Meister. Insgesamt hat Schmidt fünf Deutsche Meistertitel und zwei zweite Plätze bei den nationalen Titelrennen im Zweier gesammelt.

Jakschik: „Er gibt sich nie zufrieden“

Wenn Malte Jakschik über seinen Zweierpartner spricht, gerät er fast ins Schwärmen. „Richard ist ein top Ruderer. Sehr einzigartig ist seine Sorge, dass er zu wenig trainieren könnte. Das ist eine seiner Stärken, er gibt sich nie zufrieden mit dem Erreichten. Das treibt ihn an, immer weiter akribisch zu arbeiten“, berichtet Jakschik. Und treibt es auch die anderen an? „In der meisten Zeit ist die Arbeit mit ihm angenehm“, sagt Jakschik lachend und fügt hinzu: „Seine Sorge, zu wenig zu machen, hat mich auch immer angetrieben und uns vorangebracht. Wenn wir zusammen an Dingen gearbeitet haben, waren wir uns immer ziemlich einig.“

Auch über das Ruderboot hinaus herrschte bei den Zweierpartnern Einigkeit. „Im Ruderboot hat es bei uns immer gepasst. Dafür ist es wichtig, dass es auch darüber hinaus stimmt. Das war bei uns immer der Fall. Wir rudern seit 2016 zusammen und haben viel Zeit zusammen verbracht, Richard ist einer meiner besten Freunde“, sagt Jakschik: „Er ist auch als Mensch ein super Typ, mit ihm kann ich über alles sprechen. Es gibt wenig Themen, über die wir noch nicht geredet haben. Wir haben jetzt auch schon Pampers-Tipps ausgetauscht.“

Schmidt (2019 und 2020) und Jakschik (2020) konnten kurz hintereinander Vaterfreuden genießen. Als die Geburt von Jakschiks Sohn anstand, absolvierte das Duo im Januar 2020 gemeinsam am Stützpunkt in Dortmund ein Trainingslager und zog dort eisern durch, während der Rest des Team Deutschland-Achter in Sabaudia seine Zelte aufschlug. „Als wir zusammen das Trainingslager alleine in Dortmund verbracht haben, weil Emil geboren wurde, hatten wir eine intensive gemeinsame Zeit, die uns nochmal mehr zusammengeschweißt hat“, findet Jakschik, der ebenfalls seine Karriere beendet. Gemeinsam soll es demnächst auf Pirsch gehen: „Richie ist ja ein passionierter Jäger. Er wollte mich immer mitnehmen, aber bislang hat es noch nicht geklappt. Vielleicht gehen wir jetzt ja mal zusammen los, wo wir mehr Zeit haben.“

Roggensack: „Alle Hebel in Bewegung gesetzt“

Olaf Roggensack ist im Vergleich zu Schmidt und Jakschik ganz frisch im Deutschland-Achter, im Jahr 2020 hat er sich einen Rollsitz erkämpft. Mit Schmidt, den er als sein „Olympia-Idol“ bezeichnet, hatte Roggensack schon während der U23-Zeit Berührungspunkte: „Richard habe ich immer als eine sehr engagierte Person erlebt, nicht nur in seinem Bereich, sondern auch für andere, zum Beispiel die U23-Ruderer. Wenn man ein Problem hatte, konnte man sich immer an ihn wenden, dann hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt. Im normalen Leben ist Richard genau so engagiert wie im Sport, als Athletensprecher war er ein top Ansprechpartner und hat das gewissenhaft gemacht.“

Seit seiner Berufung Anfang 2020 konnte Roggensack mit Schmidt trainieren und im Deutschland-Achter rudern. Schmidt hatte dabei stets einen positiven Einfluss auf den 24-Jährigen. „Beim Training ist er immer super motiviert. Er ist der letzte, der Nein zu etwas sagt, wenn es ums Training geht. Wenn es dann allerdings um eine Pause geht, dann sagt er: Das schaffen wir schon“, sagt Roggensack und lacht: „Das zieht einen einfach mit.“

Kuffner: „Nie oberflächlich“

Auch Andreas Kuffner hat in seiner aktiven Zeit von Schmidts unbändigem Willen profitiert. Zusammen gewannen sie unter anderem Olympia-Gold in London und Olympia-Silber in Rio de Janeiro. Darüber hinaus sind die beiden privat zusammengewachsen, waren zum Beispiel nach Olympia in Rio noch gemeinsam an der Christusstatue. „Ich schätze Richard sehr, nicht nur als Athlet, sondern auch als Mensch. Er ist einer meiner engsten Wegbegleiter und Freunde bis heute. Mit ihm kannst du dich über alles austauschen, ob ruderisch oder privat. Dabei ist es nie oberflächlich, sondern geht immer in die Tiefe“, erzählt Kuffner: „Seit wir im Achter zusammen gerudert sind, haben wir schnell zusammengefunden. Wir sind uns sehr ähnlich, ich hatte und habe tiefes Vertrauen in ihn.“

Kuffner freut sich, Schmidt nun öfters abseits des Sports sehen zu können. Wichtig ist ihm am Ende aber vor allem noch eines: „An dieser Stelle möchte ich auch einfach nochmal sagen: Danke, Richard!“

13.09.2021 | von Felix Kannengießer

 

Richard Schmidts einzigartige Karriere in Bildern.

Termine & ergebnisse

SH Netz Cup in Rendsburg:

Stadtwerke SH Ergo-Cup der internationalen Achter (500 Meter): 1. Polen 1:20,3 Min., 2. Deutschland-Achter 1:20,4, 3. Niederlande 1:21,8

Emil Frey Küstengarage Ruder-Sprint-Cup der Internationalen Achter (400 Meter), 1. Rennen: 1. Deutschland-Achter 1:01,52 Min., 2. Niederlande 1:02,32, 3. Polen 1:04,06; 2. Rennen: 1. Deutschland-Achter 1:05,65 Min., 2. Niederlande 1:06,82, 3. Polen 1:07,07

 

 

SH Netz Cup über 12,7 Kilometer: 1. Deutschland 21:12,4 Minuten, 2. Niederlande 21:52,1, 3. Polen 42:25,0.

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