Gekommen, um zu siegen

Richard Schmidt aus dem Deutschland-Achter im Porträt.
 

Vierfacher Europameister, dreifacher Weltmeister, Olympiasieger – die Titelsammlung von Richard Schmidt ist beeindruckend. Doch sein Erfolgshunger ist damit noch lange nicht gestillt: „Ich bin kein Typ, der auf das blickt, was er schon hat. Ich schaue immer nach vorne.“ Und da hat Schmidt ganz klar Olympia 2016 in Rio de Janeiro im Blick.

Bei seinen dritten Olympischen Spielen will der ehrgeizige 28-Jährige wieder im Deutschland-Achter sitzen und sein zweites Gold einfahren. Die Frage nach der Motivation muss man Schmidt kaum stellen, auch wenn er schon alle möglichen Titel gesammelt hat: „Ich habe mich nach dem Olympiasieg 2012 entschieden weiterzumachen, weil ich weiter gewinnen will.“
Mit acht Jahren erstmals im Ruderboot

Als Grundschüler saß Schmidt erstmals im Ruderboot. Mit acht Jahren probierte er mit seinen Klassenkameraden den Sport aus, Schmidt blieb als einziger dabei. Nebenbei war der Blondschopf ein begeisterter und als Rechts-Außen talentierter Handballer. „Aber mit 15 Jahren war klar, dass beides zusammen nicht geht. Und die Truppe beim Ruderverein Trier war einfach cool. Das Rudern hat mir mehr Spaß gemacht“, erinnert sich Schmidt, wie die Entscheidung für den Wassersport fiel: „Beim Rudern muss sich jeder im Team beweisen, zusammenhalten und kämpfen. Das macht es aus: Erfolge kannst du nur gemeinsam erreichen.“

Und mit Erfolgen kennt er sich aus. Mit 16 Jahren hatte Schmidt schon einige regionale und nationale Titel gesammelt, als er bei der Junioren-Weltmeisterschaft erstmals für Deutschland ins Boot stieg und im Vierer ohne Steuermann gleich Bronze holte. Ein Moment, den er nie vergessen wird: „Das war auf der Olympia-Strecke in Banyoles und wirklich ein besonderes Gefühl für mich. Wir waren zuvor Deutscher Meister geworden und eine eingeschweißte Truppe. Niemand hat uns so richtig etwas zugetraut, aber wir haben es allen gezeigt.“ Im Jahr darauf toppte er seine Leistung im Vierer sogar, ruderte in gleicher Besetzung zu Junioren-WM-Silber.

„Plötzlich“ im Einsatz bei Olympia

2006 folgte Schmidt nach dem Abitur dem Ruf aus Dortmund und stieß am Olympia-Stützpunkt zum U23-Nationalteam. Der Einstieg dort fiel ihm zunächst schwer: „Da habe ich gelernt, was es heißt, sich durchzubeißen. Der Spaß am Sport lässt einen vieles ertragen. Und am Ende hat es ja doch geklappt.“ Im zweiten U23-Jahr ruderte Schmidt im Vierer ohne Steuermann, unter anderem mit Kristof Wilke, in Glasgow zu Gold bei den U23-Weltmeisterschaften. Weil er auch bei den Kleinbootmeisterschaften schon auffiel, löste der trainingsfleißige Trierer damit sein Ticket für den A-Bereich. Unter Trainer Thomas Affeldt belegte der junge Vierer bei den Europameisterschaften in Posen den zweiten Platz.

Für Energiebündel Schmidt, der privat ein eher ruhiger Typ ist, blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken: Es ging Schlag auf Schlag weiter. 2008 durfte er mit 21 Jahren mit zu den Olympischen Spielen nach Peking. Als dann mit Toni Seifert und Filip Adamski zwei Ruderer im Vierer erkrankten, schlug Schmidts Stunde. Im Halbfinale rückte er mit Marco Neumann zu Urs Käufer und Gregor Hauffe in den Vierer. „Natürlich hofft man nie auf Ausfälle. Für mich war das krass, ich hatte nicht damit gerechnet“, erzählt Schmidt: „Ich habe alle Gedanken ausgestellt und einfach mein Bestes gegeben.“ Der junge Ruderer machte seinen Job gut, die Vier erreichten das Finale, wo wiederum Neumann durch Jochen Urban ersetzt werden musste und am Ende Platz sechs heraus sprang.

Auf der Suche nach dem größtmöglichen Erfolg

Schmidt hatte sich als sicherer Rückhalt erwiesen und bekam im neuen Olympia-Zyklus die Chance im Deutschland-Achter. Der Wirtschaftsingenieurwesen-Student der TU Dortmund nutzte sie. „Für mich war das ein super Ansporn. Ich wollte zu noch größeren Erfolgen rudern“, sagt Schmidt und erfüllte sich schnell seine Wünsche. Posen entpuppte sich dabei erneut als Ort seines Glücks: Bei der WM in der fünftgrößten Stadt Polens holte Schmidt mit dem Deutschland-Achter Gold.

Der ambitionierte Ruderer etablierte sich im Achter, wurde Teil des Teams, das Titel um Titel abräumte, gekrönt vom Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London. „Wir waren alle absolut fokussiert auf den Erfolg und haben uns von nichts beirren lassen“, meint der Athletensprecher des Deutschen Ruderverbandes: „Hinter so einer Medaille steckt verdammt viel Arbeit. Das versuche ich auch, an die jungen Leute heute weiterzugeben. Wir haben uns jeden Sieg erkämpft, am Ende war es richtig eng gegen die Briten.“

Rio fest im Blick

Seit Olympia hat das britische Team bei den Weltmeisterschaften allerdings die Nase vorne gehabt. Das nervt einen so erfolgshungrigen Sportler wie Schmidt: „Es ärgert mich unheimlich. Einen zweiten Platz zu akzeptieren, dafür bin ich zu ehrgeizig. Aber wir haben das abgehakt und blicken nach vorne.“ Denn bei den nächsten Olympischen Spielen findet die Endabrechnung statt. „Und da werden wir nicht hinter den Briten sein.“

14.01.16 I von Felix Kannengießer

Der Ehrgeiz treibt ihn an: Richard Schmidt.

Schmidt bei der WM in Aiguebelette im vergangenen Jahr, hier mit Hannes Ocik.

Sein größter Erfolg: Olympia-Gold in London.

Den Erfolg im Blick: Richard Schmidt.

Termine

13.12.2019: Felix-Award in Düsseldorf

15.12.2019: Sportler des Jahres in Baden-Baden

28.12.2019 - 13.01.2020: Trainingslager in Sabaudia/Italien 

26.01.-02.02.2020: Trainingslager mit Überprüfungen im Zweier und Vierer in Montemor-o-Velho/Portugal

03.-13.02.2020: Trainingslager in Lago Azul/Portugal 

01.-16.03.2020: Trainingslager in Gavirate/Italien

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