Frederik Breuer vor Boat-Race-Debüt
Der Olympia-Vierte ist Schlagmann des Cambridge-Achters. Das Traditionsrennen der Universitäten steigt am Samstag um 16.21 Uhr.In diesem Rennen steckt eine große Ruder-Tradition: das Boat Race in London. Vor beinahe 200 Jahren fand das erste Ruderduell von Studenten der renommierten Universitäten Oxford und Cambridge auf der Themse statt. In der 171. Ausgabe, die am Samstag (16.21 Uhr deutscher Zeit) wieder einmal rund 200.000 Zuschauer ans Ufer in den Londoner City locken wird, ist mit Frederik Breuer (Masterstudium Energy Technologies an der University of Cambridge) ein Deutscher dabei. Der 24-Jährige, der mit dem Deutschland-Achter den vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Paris belegte, führt den Achter vom Cambridge University Boat Club (CUBC) – die light blues – als Schlagmann in dieses bedeutende Rennen. Es ist seine Premiere beim Boat Race, das über kurvige 4,25 Meilen (6,8 Kilometer) von Putney nach Mortlake führt.
Welche Bedeutung hat dieses Rennen für dich?
Frederik Breuer: Ich hatte schon immer im Hinterkopf, einmal beim Boat Race mitzufahren. Dass es jetzt klappt, ist cool. Seitdem ich hier in England bin, ist mir erst klar geworden, welch hohen Stellenwert dieses Rennen in dem Land mit dieser riesigen Rudertradition hat. Jede der Universitäten Oxford und Cambridge hat vielleicht 30 Colleges, und jedes College hat einen Boatclub mit vielen Ruderern. Ich bin am Lucy Cavendish College, von dem neben mir noch ein weiterer Ruderer im Boot der light blues sitzt. All die Leute um uns herum geben uns sehr viel Rückhalt. Auch den allgemeinen Support – mit 200.000 Menschen, die extra für dieses Rennen nach London kommen, und den erwarteten drei Millionen TV-Zuschauern – gibt es im Rudern sehr selten.
Du hast Olympische Spiele mit dem Deutschland-Achter erlebt. Inwieweit kannst Du Parallelen erkennen oder ist es ganz was anderes?
Frederik Breuer: Auch hier ist die Medienpräsenz sehr groß. Rein sportlich kommt nichts an Olympia heran, und trotzdem ist das Boat Race höchst kompetitiv. Das Rennen ist auf einer anderen Ebene extrem wichtig. Hier spielt die Taktik ist viel größere Rolle. Es findet ja auf einem Fluss statt und das Steuern ist viel wichtiger. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass es ein Uni-Rennen ist. Jeder Teilnehmer studiert auch Vollzeit. Man verbindet also den Sport mit dem Studieren auf sehr hohem Niveau. Verglichen dazu ist die Olympia-Vorbereitung wiederum intensiver, da sich wirklich alles nur um den Sport dreht.
Du bist Schlagmann. Wie gehst Du mit dieser exponierten Rolle um?
Frederik Breuer: Ich probiere, es nicht zu sehr zu interpretieren, auf welchem Platz ich sitze. Klar, man gibt den Schlag vor und hat eine höhere Verantwortung. Aber am Ende ziehen wir alle zusammen am Stöckchen.
Cambridge liegt in der Gesamtbilanz mit 88:81 vorn, und in den letzten drei Jahren gewann Cambridge. Stärken diese Vorgaben oder ist es eher eine Last?
Frederik Breuer: Es ist schon ein stückweit eine Last, man will ja nicht die Crew sein, die die Siegesserie beendet. Aber wir können es alle ausblenden. Und wenn man es schafft, dass sich alle aufs eigene Rennen fokussieren, bekommt man auch das bestmögliche Resultat. Wichtig ist auch, den Gegner nicht zu unterschätzen. Wir haben ein starkes Team.
In einem Duell gibt es am Ende nur einen Sieger und einen Verlierer. Warum – glaubst Du – wird am Ende Cambridge als Erster die Ziellinie kurz vor der Chiswick Bridge passieren?
Frederik Breuer: Die Vorleistungen auf dem Ergometer – unser wichtigster Test wird hier über 5000 Meter gefahren – waren gut. Und danach – ab Januar – haben wir sehr große Fortschritte auf dem Wasser gemacht. Wir haben alle drei Testrennen auf dem Boat Race Kurs, die sogenannten fixtures, gewonnen – der letzte gegen einen Achter vom Leander Club, in dem auch einige Athleten aus dem Team GB, der englischen Nationalmannschaft, saßen. Daraus schöpfen wir großes Selbstbewusstsein für das Rennen am Samstag.
01.04.2026 | Interview: Carsten Oberhagemann
Frederik Breuer (auf dem ersten Bild hintere Reihe rechts) mit dem Cambridge-Achter.
Fotos: Nordin Ćatić
Frederik Breuer im Deutschland-Achter, Saison 2024.
Fotos: Lennart Heyduck, Detlev Seyb, Julia Kowacic
Neun Deutsche – acht für Cambridge
Insgesamt neun Deutsche starten in diesem Jahr in verschiedenen Booten beim Boat Race 2026. Neben Frederik Breuer sind dabei: Antonia Galland, Mia Freischem und Charlotte Ebel sitzen im Cambridge-Boot der Frauen, Mias Schwester Lilli Freischem im Oxford-Boot der Frauen; Leonard Brahms und Alex Finger schafften den Sprung ins Cambridge-Reserve-Team (Goldie), Mathilda Kitzmann startet im Frauen-Reserve-Team von Cambridge (Blondie) und Nikita Mohr (ebenfalls Cambridge) Leichtgewichts-Boot.
Zeitplan (deutsche Zeiten):
Samstag, 4. April:
15.21 Uhr: 80. Boat Race der Frauen
15.36 Uhr: Reserverennen der Frauen (Osiris vs. Blondie)
15.51 Uhr: Reserverennen der Männer (Isis vs. Goldie)
16.21 Uhr: 171. Boat Race der Männer
Das Rennen der Leichtgewichts-Boote findet schon am Freitag statt.
Termine & Ergebnisse
Saison 2025/2026:
27.10.2025: Trainingsstart für alle
15.11.2025: BaselHead (Schweiz)
29./30.11.2025: Langstrecke in Dortmund (mit Ergometertest)
04.-20.12.2025: Trainingslager Lago Azul (Portugal)
20.01.-11.02.2026: Trainingslager Lago Azul (Portugal)
28./29.03.2026: Langstrecke in Leipzig (mit Ergometertest)
17.-19.04.2026: Deutsche Kleinbootmeisterschaften in München
29.-31.05.2026: Weltcup in Sevilla (Spanien)
12.-14.06.2026: Weltcup in Plovdiv (Bulgarien)
26.-28.06.2026: Weltcup in Luzern (Schweiz)
25./26.07.2026: The Finals in Hannover
30.07.-02.08.2026: Europameisterschaften in Varese (Italien)
23.-30.08.2026: Weltmeisterschaften in Amsterdam (Niederlande)
04.-06.09.2026: SH Netz Cup in Rendsburg
Unser weiterer Weg nach LA2028:
Weltmeisterschaften 2027 in Luzern (Schweiz)
Olympische Spiele 2028 in Los Angeles (USA, 14.-30. Juli 2028)
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