Olympia 2012: Die Krönung einer unglaublichen Serie

Der Deutschland-Achter ist mehr als nur ein Ruderboot, viele unvergessliche Geschichten sind mit ihm verbunden. Wir blicken in einer Serie auf die olympischen Medaillen des Team Deutschland-Achter zurück. Heute: Olympia 2012 in London.

Wie Phönix aus der Asche: Nachdem noch 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking der enttäuschende achte Platz heraussprang, startete der Deutschland-Achter eine schier unglaubliche Serie. Vier Jahre lang blieben die Sportler ungeschlagen und konnten den Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London schließlich mit der Goldmedaille krönen. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg.

Florian Mennigen erlebte die Zeit damals im Deutschland-Achter mit: „Vor Peking gab es unheimlich viel Unruhe im Team, viel Hin und Her. Uns fehlten die Abstimmung und die Effizienz. Dementsprechend war damals die Performance.“ Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei Olympia 2008 standen beim Team Deutschland-Achter einige Veränderungen an. Ralf Holtmeyer übernahm als Trainer zum zweiten Mal das Ruder beim deutschen Flaggschiff, hinter den Kulissen wurde jeder Stein umgedreht.

Weitreichende Veränderungen

„Es waren verschiedene Aspekte, die für den Aufschwung gesorgt hatten. Wir haben aus den Erfahrungen der Vorsaison gelernt. Es wurden einige Dinge verändert, zum Beispiel die Kriterien für die Nominierung. Da wurde neben der individuellen Leistung mehr berücksichtigt, wie die Mannschaft zusammen funktioniert. Außerdem sind wir deutlich mehr Achter im Training gefahren, konnten uns so besser einstellen“, erzählt Mennigen und hebt die Rolle von Holtmeyer hervor: „Er hat eine klare Vorstellung mitgebracht, wie das Boot laufen sollte. Er hatte den Anspruch, den Achter immer zu verbessern, auch wenn er schon gut war.“

Die Veränderungen zahlten sich schnell aus, in den darauffolgenden Jahren blieb der Deutschland Achter in allen Rennen über 2.000 Meter ungeschlagen. „2009 waren wir eigentlich erstmal nur angetreten, um zu zeigen, dass wir mehr können, als Letzter zu werden. Aber wir hatten eine Crew, die technisch wie menschlich sehr gut zusammengepasst hat. Wir konnten die Power, die wir hatten, optimal umsetzen“, so Mennigen.

„Eine Mannschaft, die ziemlich komplett war“

Auch wenn sich in den folgenden Jahren die Besetzung an einigen Stellen noch veränderte, blieb der Deutschland-Achter ab 2009 eine gut geölte Maschine. „Wir hatten am Stützpunkt in Dortmund damals einen guten Kreis an starken Leuten und konnten aus dem Vollen schöpfen. Jeder, der dazu kam, hat auch wieder etwas mit reingebracht. Wir haben uns immer weiter gesteigert, sind technisch effizienter geworden und physisch leistungsfähiger. Am Ende hatten wir eine Mannschaft, die ziemlich komplett war“, erinnert sich Mennigen, dem stets der Sprung in den Achter gelang: „Es war eine Herausforderung, sich immer wieder neu zu pushen. Aber ich hatte das große Ziel Olympia vor Augen.“ Nach drei Weltmeister-Titeln in Folge sollte 2012 mit Olympia das sportliche Highlight erfolgen.

Die Crew um Steuermann Martin Sauer und Schlagmann Kristof Wilke konnte mit viel Selbstvertrauen nach London reisen, doch auf der anderen Seite wuchs der Druck. „Da war schon wirklich viel Druck auf dem Kessel. Wir haben versucht, den Fokus hart auf uns zu legen, kaum Zeitungen zu lesen und uns an unseren eigenen Erwartungen zu messen. Die waren schon hoch genug – alle hatten das Ziel zu gewinnen. Wir wollten so gut sein, dass wir selbst an einem schlechten Tag gewinnen konnten“, so Mennigen.

Klarer Sieg im olympischen Vorlauf

Der größte Konkurrent in der Olympiasaison war Großbritannien. Der britische Achter war beim Weltcup 2012 in Belgrad kurz davor, die Siegesserie des Deutschland-Achter zu beenden. Und auch in London blieben die Gastgeber hartnäckig. Im olympischen Vorlauf verlief noch alles nach Maß für das Paradeboot des DRV – mit fast einer Länge Vorsprung wurden die Briten besiegt. „Es lief fast schon zu gut. Wir wussten, dass die Briten im Finale nochmal zurückschlagen wollen“, erzählt Mennigen: „Die Herausforderung für uns war es, nach dem Vorlauf nicht übermütig zu werden.“

Achter-Crew wächst im Finale über sich hinaus

Das Finale wurde dann eine richtige Herausforderung für den Deutschland-Achter. Zunächst legte das deutsche Paradeboot wie gewohnt einen explosiven Start hin und führte das Feld an. Doch die Briten blieben dran und gingen auf dem dritten Streckenabschnitt kurzzeitig in Führung. „Das war eine kritische Situation, in der wir Martin Sauer viel zu verdanken hatten. Er hat 600 Meter vor dem Ziel, statt wie üblich 250 Meter vorher, den Schlusssprint angesagt. Wir waren weit über dem Anschlag, aber wir sind alle mitgezogen, weil wir großes Vertrauen ineinander hatten“, beschreibt Mennigen.

Der Qual folgt die Zufriedenheit

Der knallharte Schlussspurt sollte sich lohnen. Schließlich setzte der Deutschland-Achter sich an die Spitze und konnte auch den Angriff der Kanadier abwehren, die am Ende Zweiter vor Großbritannien wurden. Gold ging an die deutschen Ruderer, die nach dem Zieleinlauf am Ende ihrer Kräfte waren. „Die letzten zehn Schläge waren bei mir eigentlich schon die Lampen aus. Das erste, was ich nach dem Zieleinlauf gefühlt habe, war Erleichterung, dass diese Qual vorbei ist“, erinnert sich Mennigen: „Danach ist bei mir eine große Ruhe und Zufriedenheit eingekehrt, dass wir diesen Zyklus mit dem Olympiagold krönen konnten.“

Gold wird gebührend gefeiert

Einige Tage konnte die siegreiche Mannschaft danach noch das Olympische Dorf und die Spiele genießen, nachdem sich die Ruderer vor ihrem Rennen völlig abgeschottet hatten. „Dafür konnten wir nachher auch doppelt feiern. Es ging bei den Partys schon heftig ab, wir haben Olympia genossen. Wir haben auch viele Kontakte geknüpft, die Briten zum Beispiel waren super faire Gastgeber und haben uns nachher in die Clubs mitgenommen“, verrät Mennigen, der kurz nach den Olympischen Spielen in London seine Ruderkarriere beendete.

27.04.2021 | von Felix Kannengießer

Im Finale von London ging es heiß her.

Am Ende konnte die Crew des Deutschland-Achter bei Olympia 2012 in London die Arme in die Höhe reißen.

Pure Freude: Die Sportler des Deutschland-Achter nach dem Sieg im olympischen Finale.

Auf der Ehrentafel im Stützpunkt Dortmund sind die Namen der Olympiasieger von 2012 festgehalten.

Besetzung

Deutschland-Achter 2012: Filip Adamski (Mannheimer RG Baden), Andreas Kuffner (Berliner RC), Eric Johannesen (RC Favorite Hammonia, damals: RC Bergedorf), Maximilian Reinelt (Ulmer RC Donau), Richard Schmidt (RV Treviris Trier), Lukas Müller (RC Germania Düsseldorf), Florian Mennigen (Ratzeburger RC), Kristof Wilke (RC Undine Radolfzell), Steuermann Martin Sauer (Berliner RC). Trainer: Ralf Holtmeyer.

 

Zwei weitere Medaillen im Doppelvierer

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann der Deutsche Ruderverband (DRV) insgesamt drei Medaillen. Neben dem Deutschland-Achter holte auch der deutsche Doppelvierer Gold. Karl Schulze, Philipp Wende, Lauritz Schoof und Tim Grohmann siegten deutlich vor Kroatien und Australien. Auch die deutschen Frauen standen beim Doppelvierer am Ende auf dem Treppchen: Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt gewannen Silber hinter der Ukraine und vor den USA. Im Ruder-Medaillenspiegel bedeutete das für den DRV insgesamt Platz drei hinter Neuseeland und Gastgeber Großbritannien, die neun Medaillen sammeln konnten.

Termine & Ergebnisse

08.-24.06.2021:
Trainingslager in Völkermarkt (Österreich)

30.06.-16.07.2021:
Trainingslager in Kinosaki (Japan)

 

 

23.-30.07.2021:
Olympische Ruder-Regatta in Tokio (Japan)

27.-29.08.2021:
SH Netz Cup in Rendsburg

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