Der erste, der kommt. Der letzte, der geht

Der Bundestrainer arbeitet für den Erfolg mindestens genau so hart wie die Ruderer – ein Tag im Leben von Uwe Bender.

Bei ihm laufen alle Fäden zusammen: Bundestrainer Uwe Bender. Der 60-Jährige gehört seit 2014 zum Trainerteam, hat gut ein halbes Jahr nach Olympia 2016 die Gesamt-Verantwortung übernommen und seitdem viel bewegt. Unter seiner Regie wurde der Deutschland-Achter unter anderem dreimal in Folge Weltmeister. Das nächste Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dafür arbeitet der Bundestrainer mindestens genau so hart wie die Ruderer selbst. Ein Tag im Leben von Uwe Bender.

Der Bundestrainer ist meistens der erste, der morgens am Stützpunkt in Dortmund erscheint und der letzte, der geht. In der Regel ist er schon gegen kurz vor sieben Uhr da, schließt die Bootshalle auf und trifft die letzten Trainingsvorbereitungen, macht etwa das Motorboot bereit. Denn bei der anschließenden Einheit, der eine kurze Teambesprechung vorausgeht, ist er immer mit auf dem Wasser.

Im Motorboot fährt Bender beim Training neben dem Deutschland-Achter her, beobachtet und korrigiert, wo es nötig ist. „Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass ich während der Einheit nicht zu viel sage, weil Martin Sauer als Steuermann schon viel innerhalb des Bootes spricht. Ich schaue mir alles genau an, und nachher wird die Einheit besprochen“, verrät Bender. Anders sieht es beim Zweiertraining aus, da gibt er von außen mehr Feedback.

Immer reichlich Betrieb

Gegen 9.30 Uhr endet das Training. Nach dem gemeinsamen Frühstück gehen die Ruderer ihrer Wege, fahren zur Uni oder lernen am Stützpunkt in Dortmund. Bender zieht sich dann in sein Büro zurück, wo immer reichlich Betrieb herrscht. Zunächst stehen Besprechungen an. Mit einzelnen Athleten, aber auch mit dem Funktionsteam. Auf Empfehlung der Physiotherapeuten trifft er an diesem Tag die Entscheidung, das Nachmittagstraining ausfallen zu lassen. Mit dem großen Funktionsteam ist Bender im ständigen Austausch: „Dieses professionelle Umfeld ist enorm wichtig, wir brauchen ein gutes Team an Land.“

Die letzte Entscheidung liegt beim Bundestrainer

Weiter geht es mit Bürotätigkeiten. Ob Kontakt mit dem Deutschen Ruderverband, der Bundeswehr und dem Deutschen Olympischen Sportbund oder Verwaltungsarbeiten, Koordination und Organisation – von der Nachbestellung des Bootsmaterials bis zur Abstimmung der Mietzuschüsse. „Wir sind ein großer Stützpunkt in Dortmund, der permanent am Leben ist. Da kommt einiges zusammen, auch das muss mit der gleichen Gründlichkeit gemacht werden. Es ist ja in unserem Interesse, und es teilt sich auf drei Trainer auf“, sagt Bender, der am Ende natürlich die letzte Entscheidung treffen muss: „Ich bin jemand, der sich alle Seiten anhört, dann aber auch keine Problem hat, eine klare Entscheidung zu treffen. Letztlich habe ich die Verantwortung.“

Auch für Bender ist irgendwann Feierabend

Um 14 Uhr steht die zweite Einheit auf dem Wasser an. Für die Ruderer ist danach Feierabend, Bender hat meist noch ein paar Sachen zu tun. „Auch wenn ich zu Hause bin, denke ich oft noch über gewisse Dinge nach. Rudern ist schon immer viel in meinem Kopf. Es gibt dann aber auch eine Zeit, zu der ich mein Handy weg lege und versuche, ganz abzuschalten“, erzählt Bender, der gut beim Kochen, bei einem Buch oder Musik entspannen kann.

Klare Philosophie

Diesen oder einen ähnlichen Ablauf hat Bender nun täglich seit fünf Jahren. „Mir macht diese Aufgabe viel Spaß. Es ist eine tolle Herausforderung, die viele Chancen ermöglicht. Ich betreibe viel Aufwand, aber ich weiß wofür“, sagt der Bundestrainer und blickt auf die erfolgreichen vergangenen Jahre zurück: „Ich nehme daraus mit, dass man alles erreichen kann, wenn man dafür zielgerichtet und intensiv arbeitet. Rudern ist eine Kraft- und Ausdauersportart, die ein hohes Trainingspensum verlangt. Da muss man dreifach hart arbeiten, um erfolgreich zu sein.“

Olympia im Fokus

Mit dieser Einstellung geht Bender – und damit auch das Team Deutschland-Achter – seinen Weg zu den Olympischen Spielen. „Es ist alles möglich, mit diesem Denken wollen wird das nächste Jahr angehen“, bekräftigt Bender, bei dem alles auf Tokio ausgerichtet ist: „Für diese eine Regatta arbeiten wir vier Jahre. Ich denke keinen Tag weiter, der volle Fokus liegt auf Olympia. Danach wird sich alles andere ergeben.“

22.12.2019 | von Felix Kannengießer

Kurz-Bio

Uwe Bender ist schon seit über 30 Jahren Trainer, formte in seiner Heimatstadt Karlsruhe, in Saarbrücken, Frankfurt und im fernen Australien Ruderer zu Siegern. Im Jahr 1985 fing alles mit einem Ehrenamt beim Karlsruher Ruder-Verein Wiking an, wo er später Landestrainer wurde. Anfang der 90er-Jahre trieb es ihn zur Frankfurter Rudergesellschaft Germania, 1995 zog es den gebürtigen Karlsruher noch weiter weg, nach Australien, wo er die Nationalmannschaft trainierte.

2002 ging es als Stützpunkttrainer in Saarbrücken zurück nach Deutschland. Die ersten Stationen im Nationalteam waren die U23-Frauen, dann der Leichtgewichts-Zweier und -Vierer. Im Dezember 2014 stieg er als Trainer im Team Deutschland-Achter ein, übernahm zunächst den Zweier und wurde im März 2017 verantwortlicher Disziplin-Trainer Männer-Riemen im Deutschen Ruderverband.

Geht voran: Bundestrainer Uwe Bender.

Bender hat an Land und auf dem Wasser alles im Blick.

Neben dem Trainingsbetrieb stehen reichlich Aufgaben auf dem Plan von Bundestrainer Uwe Bender.

Termine

9.-11.10.2020: Europameisterschaften in Posen/Polen

16-18.10.2020: SH Netz Cup in Rendsburg

Deutschland-Achter GmbH
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